Welches Objektiv brauche ich für was?

Die Frage welches Objektiv brauche ich oder soll ich kaufen kommt gleich nach „welche Kamera soll ich kaufen?“. Witzigerweise ist die Antwort auf beide Fragen die gleiche: Es kommt darauf an.

Ok… ich kann mir vorstellen, dass dir das jetzt erstmal nicht weitergeholfen hat. Deshalb möchte ich im folgenden etwas näher auf die verschiedenen Aspekte, die hier eine Rolle spielen eingehen. Der Artikel soll dir vor allem dabei helfen herauszufinden was für eine Art von Objektiv für dich und deine Anforderungen am besten passt.

Wir schauen uns erstmal an was es überhaupt für unterschiedliche Arten von Objektiven gibt, wie du die Qualität dieser Optiken beurteilen kannst und zum Schluss gibt’s noch einige Beispiele. Wenn dir irgendwelche Infos fehlen, dann schreib mir gerne in die Kommentare am Ende und ich ergänze das dann.

Welche Arten von Objektiven gibt es überhaupt?

Objektive, egal ob für digitale oder analoge Kameras, lassen sich anhand ihrer Brennweite grob in verschiedene Kategorien einteilen. Die Brennweite bestimmt dabei maßgeblich den Bildwinkel, also wie viel von meiner Umgebung ich auf’s Bild bekomme. Man könnte auch Blickwinkel sagen, das ist zwar nicht ganz richtig, ist aber einfacher zu verstehen was gemeint ist.

Kürzere Brennweiten haben an der gleichen Kamera einen größeren Bildwinkel. So bekomme ich bei einer Brennweite von sagen wir mal 10mm in der Regel ein ganzes Haus drauf, auch wenn ich nur ein paar Meter davon entfernt stehe. Mit einer Brennweite von 300mm dagegen kann ich von der gleichen Position die Vögel auf dem Dach des Hauses beobachten, so nah bin ich dann dran.

Es gibt noch einen weiteren Faktor, der den Bildwinkel beeinflusst. Die Größe des Sensors.

Wieso das jetzt?

Machen wir einen kurzen Ausflug in die analoge Fotografie. Bevor es Digitalkameras gab wurde auf Film fotografiert. Der Film für den Hausgebrauch fasste sowas zwischen 24 und 36 Bilder. Die Fläche, die ein Bild hier auf dem Film einnimmt war (und ist) 36×24 Millimeter. Das bezeichnet man als Kleinbildfilm oder Kleinbildformat.

Die Sensoren in digitalen Kameras sind oft deutlich kleiner als das Kleinbildformat (abgekürzt KB). Nehmen wir mal an unser Sensor ist nur halb so groß wie KB. Dann sehe ich bei gleicher Brennweite nur noch einen Ausschnitt des Bildes. Und weil ich hier einen Aussschnitt sehe, nennt man das den Crop-Faktor (engl. crop = schneiden, abschneiden, zuschneiden, du verstehst? ;-)).

Ein Beispiel: Ich habe ein 300mm Objektiv an einer Kamera mit Kleinbildformat. Dann packe ich das gleiche Objektiv an eine Kamera mit Cropfaktor 2, also einem Sensor, der nur halb so groß ist wie KB. An der Crop-Kamera entspricht das 300mm Objektiv vom Bildwinkel her dann einem 600mm Objektiv an einer KB-Kamera.

Ganz wichtig dabei: Die Brennweite des Objektivs verändert sich dabei nicht! Nur der Bildwinkel.

Alles klar? Hier nochmal eine Grafik zum Verdeutlichen:

welches Objektiv für was - der Cropfaktor entscheidet mit
Die Fläche eines APS-C Sensors (link in orange, Cropfaktor 1,6) im Vergleich zum Vollformatsensor (rechts, grün)

Aber zurück zum Thema. Folgendermaßen werden die Objektive anhand der Brennweite unterteilt. Ich gehe hier mal vom Kleinbildformat aus, bei Cropkameras verschiebt sich das dann ein wenig. Hier darfst du dann ausnahmsweise die Brennweite mit dem Cropfaktor multiplizieren 😉

Ein 50mm Objektiv nennt man „Normalobjektiv“. Hier entspricht der Bildwinkel etwa dem Blickfeld des menschlichen Auges. Achtung: Bitte nicht verwechseln mit Sichtfeld, das wäre der gesamte Bereich, den wir wahrnehmen. Blickfeld meint wirklich nur den Teil, den wir auch scharf vor uns sehen.

Welches Objektiv wofür - ein Normalobjektiv ist eine gute Wahl
Ein typisches Normalobjektiv – Canon EF 50mm f/1,4 USM

Alles, was eine größere Brennweite hat, geht in den Bereich der Teleobjektive. Man unterscheidet die dann nochmal grob mit Bezeichnungen wie „leichtes Teleobjektiv“ oder „Superteleobjektiv“. Hier gibt es keine feste Millimetergrenze, leichte Tele gehen etwas bis 85mm, manchmal auch bis 100mm. Supertele fangen, je nach dem wen man fragt, bei 300mm oder eben erst bei 400mm oder noch mehr an.

Alle Brennweiten unterhalb der 50mm sind Weitwinkel, weil, naja, der Bildwinkel eben weit (also groß) ist. Auch hier unterteilt man nochmal grob in „leichte Weitwinkel“ so bis etwas 35mm, in Weitwinkel und in Ultraweitwinkel, die etwa ab 18mm anfangen. Auch hier sind die Grenzen eher fließend, also bitte nicht zu genau nehmen.

Lichtstarke und lichtschwache Objektive

Ein weiterer, wichtiger Wert, den du auf jedem Objektiv finden wirst ist die Lichtstärke oder die Blendenöffnung beziehungsweise die maximale Blende und so weiter… Du siehst, es gibt eine Menge Bezeichnungen dafür. Lichtstark meint einfach nur wie groß ist die Öffnung, durch die Licht auf den Sensor fallen kann. Je größer diese Öffnung, desto kürzere Belichtungszeiten kann ich erreichen. Mit einem lichtstarken Objektiv kannst du also auch in dunkleren Situationen, wie zum Beispiel bei Dämmerung, eher noch unverwackelte Fotos machen.

Eine Angabe für die Lichtstärke sieht beispielsweise so aus: f/2,8. Mit den Details warum man das so schreibt will ich dich nicht langweilen. Wichtig zu wissen ist: Je kleiner die Zahl nach dem f/, desto größer ist die Öffnung und folglich auch die Lichtstärke des Objektivs. Bedenke bei deiner Wahl aber auch, dass eine höhere Lichtstärke (bei ansonsten vergleichbaren Werten) immer auch mehr Glas bedeutet, was das Objektiv teurer und auch schwerer macht.

Welches Objektiv nehme ich für was - Teleobjektive mit unterschiedlicher Lichtstärke
Das Canon EF 70-200mm f/4 und das EF 70-200mm f/2,8 im nebeneinander

Brennweite und Lichtstärke sind so ziemlich die beiden wichtigsten Eckdaten, die ein Objektiv beschreiben. Natürlich gibt es noch weitere und die schauen wir uns im folgenden Abschnitt an.

Zoomobjektiv oder Festbrennweite?

Eine Frage, die die Fotografengemeinde spaltet, schätze ich. Kaufe ich ein Objektiv mit einer festen Brennweite oder eins zum Zoomen? Ich finde, das ist Geschmackssache. Es kommt drauf an, ob du mit der festen Brennweite klarkommst. Aber auch wie viel wert du auf die Bildqualität legst.

Denn generell gilt: Festbrennweiten sind Zooms in allen Punkten überlegen. Außer was die Flexibilität betrifft. Festbrennweiten sind lichtstärker, kleiner und leichter. Sie sind einem vergleichbaren Zoom in der Abbildungsqualität (dazu im nächsten Abschnitt mehr) überlegen. Du bekommst also effektiv mehr Objektiv für dein Geld. Verlierst aber Flexibilität.

Das kommt daher, da feste Brennweite natürlich viel unkomplizierter in der Konstruktion sind als ein Zoom. Wenn du auf das Zoomen nicht verzichten willst, aber trotzdem Wert auf Qualität legst, dann achte auf den Zoomfaktor.

Den Zoomfaktor kriegst du ganz einfach raus, indem du die maximale Brennweite eines Objektiv durch die minimale teilst. Beispiel: Ein 70-200mm Objektiv hat einen Zoomfaktor von 3 (in etwa). Denn 200 geteilt durch 70 ergibt 2,85. Ganz wichtig: Die Anfangs- und Endbrennweite immer teilen und nicht voneinander abziehen.

Je größer der Zoomfaktor, desto schwieriger ist das Objektiv zu bauen. Es müssen bei der Konstruktion also mehr Kompromisse gemacht werden. Die hochwertigen Zoomobjektive haben meistens einen Zoomfaktor zwischen drei und vier.

Auch wenn dir Zooms lieber sind, zumindest eine Festbrennweite solltest du in deiner Fototasche haben. Der Verzicht auf Zoom ist sehr lehrreich und bringt dich weiter. Im Artikel zur Festbrennweitenphilosophie habe ich bisschen mehr dazu geschrieben.

Qualitätskriterien – woran erkenne ich ein gutes Objektiv?

Zunächst mal der Hinweis: Was ein gutes und was ein schlechtes Objektiv ist hängt zuallererst mal davon ab wofür du es benutzen willst. Wenn du Landschaften fotografieren willst und hast ein 400mm Objektiv für 6000 Euro, dann ist das in dem Fall einfach ein grotenschlechtes Objektiv.

Die Frage ist jetzt natürlich, worauf kommt es an, wenn zwei Objektive sich von den Eckdaten, die wir oben besprochen haben, her recht ähnlich sind.

Ein erster Indikator kann tatsächlich der Preis sein. Zumindest wenn du ähnliche Optiken des gleichen Herstellers vergleichst. Das hilft aber auch nur bedingt.

Man könnte natürlich auf die Idee kommen, dass ein lichtstärkeres Objektiv immer das bessere ist. Dem ist aber nicht so, außer du fotografierst regelmäßig in sehr grenzwertigen Lichtsituationen.

Ein wichtiger Punkt ist nämlich auch die Abbildungsqualität beziehungsweise das Auflösungsvermögen einer Optik. Die ist bei Offenblende (also beim kleinstmöglichen f/x Wert) für gewöhnlich schlechter, als wenn du etwas abblendest.

Wofür welches Objektiv - Es kommt auf den Verwendungszweck an
Das erwähnte Sigma 35mm F/1,4 Art – zweifellos eine Toplinse, aber nicht immer die beste Wahl

Ein Beispiel mit zwei 35mm Festbrennweiten: Sigma 35mm f/1,4 und Tamron 35mm f/1,8. Das Tamron wird im Test von Krolop & Gerst in der Bildmitte als merklich schärfer angesehen als das Sigma (beide bei f/1.8). Beim Sigma ist dafür der Abfall zum Rand hin nicht so stark wie beim Tamron. Außerdem ist das Sigma bei Gegenlicht noch etwas weniger anfällig für Flares als das Tamron.

Welches ist jetzt das bessere Objektiv?

Ein Portraitfotograf wird sagen: „Mir doch egal, dass das Tamron am Rand etwas unschärfer ist, meine Motive sind sowieso eher in der Bildmitte.“ Ein Landschaftsfotograf wird die bessere Randschärfe zu schätzen wissen und auch die bessere Performance bei Gegenlicht.

Lichtstärke kann also durchaus ein Qualitätskriterium sein. Du musst dir aber vorher überlegen was du überhaupt fotografieren willst. Dann weißt du auch wie stark du die Lichtstärke bei deiner Entscheidung gewichten willst. Das gilt übrigens für alle Kriterien, die wir jetzt noch besprechen werden!

Bildstabilisator

Einige Objektive bringen einen Bildstabilisator mit. Der hilft dir bei langen Belichtungszeiten noch verwacklugnsfreie Fotos aus der Hand zu machen. Was er natürlich nicht verhindern kann, ist Unschärfe, die entsteht, weil sich in der Szene etwas oder jemand bewegt.

Grob vereinfacht gesagt ist so ein Stabilisator ein bewegliches Linsenelement im Objektiv. Das bewegt sich immer entgegengesetzt zu den Wackelbewegungen, die du machst. Optiken mit Stabilisierung haben dann einen entsprechenden Zusatz in ihrere Bezeichnung. Leider sind die nicht einheitlich, sondern heißen von Hersteller zu Hersteller ziemlich unterschiedlich. Bei Canon heißt es IS, bei Sigma OS, Tamron schreibt VC dahinter und Nikon VR.

Für was welches Objektiv - Objektiv mit Bildstabilisator
Das Canon 100mm f/2,8 L IS USM – IS steht bei Canon für Image Stabilizer, wie du auf dem Objektiv lesen kannst

Wenn du sowieso vom Stativ fotografierst, brauchst du logischerweise auch keinen Bildstabilisator. Genauso bei Actionaufnahmen mit kurzen Belichtungszeiten. Einige Teleobjektive bringen trotzdem eine Stabilisierung mit, die noch über einen zweiten Modus verfügt, bei dem nur eine Achse stabilisiert wird. Hier kannst du dein Motiv also bequemn durch den Sucher verfolgen. Die Kamera erkennt diese gewollte Bewegung, und stabilisiert nur die andere Achse, damit du nicht nach oben oder unten verschwenkst.

Falls du mit deiner Kamera auch Videos aus der Hand aufnehmen willst, ist ein Bildstabilisator übrigens super. Für High-End-Produktionen wahrscheinlich weniger, aber für ambitionierte Projekte oder auch Makinf ofs durchaus eine gute Möglichkeit.

Der Vollständigkeit halber: So ein bewegliches Element in der Linsenkonstruktion ist verglichen mit einem festen bei idealen Aufnahmebedinungen natürlich besser. In der Praxis wirst du den Unterschied wohl kaum bemerken. Im Preis macht sich das Ganze allerdings schon deutlich bemerkbar.

Verarbeitung – Äußerlichkeiten und innere Werte

Die Verabreitung ist auch ein Punkt, den wir nicht ganz außer Acht lassen sollten: Wie hochwertig und haltbar sind die verwendeten Materialien? Das Äußere eines Objektivs ist meistens entweder auf Kunststoff, was das Objektiv leichter macht, oder aus Metall beziehungsweise einer Legierung, wodurch die Optik robuster aber auch schwerer wird. Ebenfalls interessant ist das Material des Bajonetts, also der Teil, der an die Kamera geschraubt wird. Hier würde ich ganz klar Metall bevorzugen.

Für was welches Objektiv - Ein Weitwinkel für Landschaftsaufnahmen
Das Metall-Bajonett des Canon EF 17-40mm f/4 L USM – ein Weitwinkelobjektiv, das ich für Landschaftsfotos benutze

Ein guter Indikator für die Verarbeitung eines Objektivs sind der Zoom- (wenn vorhanden) und der Fokusring. Bei günstigeren Optiken laufen die meistens deutlich kratziger als bei den hochwertigen.

Das Innere darf man natürlich nicht vernachlässigen. Hochwertiges Glas sorgt für bessere Abbildungsleistung und weniger Bildfehler. Logisch, oder?

Auch nicht zu vernachlässigen ist die Zahl der Blendenlamellen. Je mehr desto runder ist die Öffnung bei abgeblendetem Objektiv, was sich im Bokeh, also der Unschärfe, bemerkbar, macht. Das ist allerdings auch wieder mehr Geschmackssache. Hier würde ich eher nach Beispielbildern gehen, als nach technischen Daten.

Autofokus

Zugegeben, was den Autofokus (AF) angeht hat auch die verwendete Kamera ein Wörtchen mitzureden. Trotzdem kann der AF nicht schneller sein als es das Objektiv erlaubt. Hier kann der Flaschenhals auf beiden Seiten liegen.

Anstelle des „normalen“ Autofokus verbauen viele Hersteller bei höherwertigen Objektiven einen schnelleren und leiseren Ultraschallmotor. Auch hier gibt es wieder so viele Bezeichnungen wie es Hersteller gibt (mindestens ;-)). Ist wohl so eine Patent-Sache… Bei Canon heißt das Ding USM, bei Nikon SWM, Sigma schreibt HSM dahinter und Tamron nennt es USD. Es gibt, zumindest bei Canon weiß ich das sicher, Unterschiede beim Ultraschallmotor, nämlich einen Ring-USM (das ist der gute) und Mikro-USM (der ist ok).

Canon verbaut in den meisten neuen Objektiven, die keinen Ultraschallmotor haben, einen Schrittmotor (kurz STM). Der ist leiser als der bisherige Motor und soll wohl auch besser für Video geeignet sein. Dazu kann ich aber nicht viel so viel sagen. Das einzige Objektiv mit STM, das ich habe, ist das Canon EF 40mm f/2,8 STM und mit dem filme ich eigentlich nicht.

Welches Objektiv für was - Festbrennweite mit STM
Das Canon EF 40mm f/2,8 STM mit Schrittmotor

Was du bei einem neu erworbenen Objektiv unbedingt prüfen solltest ist, ob der Fokus richtig sitzt. Es kann vorkommen, dass es da im Objektiv Abweichungen gibt. Bei aktuellen Modellen habe ich den Eindruck, dass es seltener vorkommt. Aber kurz mal testen, spätestens, wenn du verdächtig unscharfe Resultate fabrizierst, solltest du das schon.

Der Autofokus der Kamera misst dann die Entfernung des Motivs auf sagen wir zwei Meter, am Objektiv wird die Entfernung entsprechend eingestellt und ausgelöst. Bei einem Front- oder Backfokus steht zwar der Fokus auf zwei Metern und das Objektiv signalisiert das auch der Kamera. Die Mechanik dahinter weicht aber etwas ab und steht etwas weiter vorne oder eben dahinter. Die Folge ist ein unscharfes oder an der falschen Stelle fokussiertes Foto. Will niemand, braucht niemand.

In vielen Fällen ist sowas offensichtlich. Bei lichtstarken Portraitobjektiven wird es in der Praxis schon schwierig zu unterscheiden, ob ein Fehler in der Optik vorliegt oder der winzige Schärfebereich verschwenkt wurde, das Modell sich einen Millimeter bewegt hat und so weiter.

Das aber nur am Rande.

Optische Auflösung

Die Auflösung ist möglicherweise das am meisten diskutierte Thema wenn es um Objektive geht. Was meint das überhaupt?

Ich will es nicht zu weit ausführen, wenn du es wirklich ganz genau wissen willst, dann empfehle ich dir diese Videoserie. Ansonsten nur so viel:

Bei der Auflösung eines Objektivs geht es darum wie gut oder nicht gut kleine Details im Bild dargstellt werden können. Gut sehen kann man das wenn irgendwo Schrift im Bild ist. Je kleiner die ist, desto wahrscheinlicher ist sie in der 100%-Ansicht nicht so richtig scharf. Theoretisch spielt hier auch die Auflösung des Sensors eine Rolle, denn der muss die feinen Details ja auch aufnehmen können. In der Praxis ist es allerdings eher so, dass die Optik der limitierende Faktor ist.

Hier solltest du auch immer die Frage stellen „Brauche ich so eine Auflösung überhaupt?“. Ich würde auch hier nicht zu viel auf die Messwerte geben und sie höchstens als Anhaltspunkt nutzen. Die Firma DXO testet so ziemlich jedes Objektiv im Labor.

Vignettierung, chromatische Aberration, Flares und Co

Kein Objektiv ist perfekt. Deshalb hat jede Optik mal mehr, mal weniger stark mit Bildfehlern zu kämpfen. Zur Auswahl gibt’s da eine ganze Menge. Die „wichtigsten“ hast du in der Überschrift zumindest jetzt mal gehört (oder gelesen). Falls dir der ein oder andere Begriff jetzt nichts sagt, will ich kurz erklären was dahinter steckt.

Vignettierung

Damit ist eine Abdunklung zum Bildrand hin gemeint, besonders die Ecken sind anfällig dafür. Wenn du dir überlegst, dass das Objektiv eigentlich ein kreisrundes Bild auf den Sensor wirft, ist das auch logisch. Dieser Bildkreis wird natürlich so groß wie nötig aber so klein wie möglich gehalten. Sonst würden die Objektive größer, schwerer und teurer. Da muss man hin und wieder Kompromisse machen. Vignettierungen lassen sich in der Bildbearbeitung sehr leicht korrigieren. Man kann aber auch darauf verzichten. Viele Fotografen legen in der Nachbearbeitung eine künstliche Vignette an. Mein Canon EF 40mm f/2,8 STM vignettiert, wahrscheinlich wegen seiner kompakten Bauweise, recht stark. Mir gefällt der Look aber sehr gut, also korrigiere ich das gar nicht.

Für was welches Objektiv - Vignettierung
Vignettierungen kannst du auch kreativ einsetzen – hier ein sehr extremes Beispiel, die Vignette kommt nicht allein vom Objektiv

 

Chromatische Aberrationen

Kurz CA oder auf deutsch Farbsäume. Die entstehen besonders gerne an kontrasreichen Kanten im Bild. Schwarze Schrift auf weißem Papier ist dafür bestens geeignet. Kurz zur Entstehung: Du weißt wahrscheinlich, dass das sichtbare Licht aus verschiedenen Wellenlängen verschiedener Farben besteht (die sieht man zum Beispiel alle bei einem Regenbogen). Während das Licht also durch das Objektiv wandert kann es, abhängig vom verwendeten Glas, dazu kommen, dass es in verschiedene Wellenlängen aufgespalten wird. Das ist erstmal nicht schlimm und auch nicht ungewöhnlich. Wenn diese Verschiebung aber nicht vollständig durch weitere Linsen korrigiert wird bevor es auf den Sensor trifft, dann entstehen chromatische Aberrationen. Auch die lassen sich mittlerweile sehr gut in Raw-Konvertern eliminieren

Flares

Unter Flares versteht man alle möglichen Lichteffekte, wie Blendenflecke und so weiter. Flares entstehen, wenn eine helle Lichtquelle direkt ins Objektiv scheint, also im Bild zu sehen ist. Bestes Beispiel ist, wenn du in die Sonne fotografierst.

Welches Objektiv wofür - Bildfehler
Auf diesem Foto aus Maine kannst du die Blendenflecke von der Sonne aus nach links unten gut sehen

Flares zu korrigieren ist schwierig. Es gibt keine richtigen automatischen Korrekturen. Meistens endet das Entfernen solcher Lichtflecke mit ordentlich Arbeit in Photoshop mit dem Kopierstempel. Andererseits werden auch Flares immer wieder als gestalterisches Mittel eingesetzt und zum Teil nachträglich in Bilder eingefügt. Das hängt am Ende von deinem persönlichen Geschmack und vom Objektiv ab.

Welches Objektiv für…

Zum Schluss gibt’s für einige typische fotografische Themen noch Objektivempfehlungen von mir. Wenn dein spezieller Fall hier nicht dabei ist, schreib mir gerne einen Kommentar ganz am Ende des Artikels und ich ergänze das. Wenn ich in den folgenden Beispielen Brennweiten oder Brennweitenbereiche nenne, dann gelten die immer für Vollformatkameras. Bei einer Kamera mit Cropfaktor musst du das also entsprechend umrechnen, um einen ähnlichen Bildwinkel zu bekommen.

Landschaftsfotografie

Landschaftsfotos (und hier zählen wir auch mal Seen, Flüsse und Ozeane mit dazu) werden üblicherweise mit Weitwinkelobjektiven gemacht. Normalerweise will man ja die Weitläufigkeit irgendwie zeigen und das funktioniert mit einem Teleobjektiv eher nicht so gut. Natürlich wurden auch schon etliche Landschaftsaufnahmen mit Telebrennweiten gemacht. Dabei können auch wunderbare Bilder rauskommen. Was ich dabei schwierig finde ist der Dunst in der Luft. Ist dir bestimmt schon aufgefallen: Je weiter etwas weg ist, desto flauer erscheint es. Das siehst du auch bei Fotos mit einem Weitwinkel. Nach hinten raus wird es dunstig und das ist auch gut so. Dadurch entsteht Tiefe im Bild.

Verwendest du ein Teleobjektiv hast du mit zunehmender Brennweite mehr dunstige Bereiche im Bild, weil alles, was in deiner Nähe ist, abgeschnitten wird. Das aber nur am Rande.

Die Lichtstärke kannst du bei einem Objektiv für Landschaftsaufnahmen problemlos ein wenig vernachlässigen. Kurze Brennweiten erlauben deutlich längere Belichtungszeiten, wenn du aus der Hand fotografierst. Außerdem blendet man hier normalerweise sowieso etwas ab, um alles im Bild scharf abzubilden. Unschärfe im Hintergrund ist hier nicht so sehr gefragt.

Vom Brennweitenbereich eignet sich im Grunde alles unter 50mm.

Welches Objektiv wofür - Weitwinkel für Landschaftsfotos
Durch den großen Bildwinkel habe ich noch Dinge in unmittelbarer Nähe im Bild, was dem Foto zusätzlich Tiefe gibt.

Hundefotografie und Sportaufnahmen

Was haben Hunde und Sport gemeinsam? Beides geht sehr schnell beziehungsweise ist schnell unterwegs. Außer du willst von deinem Hund Portraits machen, da gilt dann eher was ich weiter unten dazu geschrieben habe. Gehen wir aber mal von Fotos in Action aus.

Hier sind kurze Belichtungszeiten und ein schneller Autofokus gefragt. Eine besonders hohe Lichtstärke kann helfen, führt aber auch dazu, dass der Schärfebereich kleiner wird. Dadurch wird es auch schwieriger das Motiv in den Fokus zu bekommen.

Eine Telebrennweite ist in den meisten Fällen die richtige Wahl. Sonst müsstest du ja quasi direkt daneben stehen und das geht in den seltensten Fällen. Für die nötige Flexibilität würde ich auch keine Festbrennweite, sondern ein Zoomobjektiv nehmen. Bestens geeignet sind die 70-200mm Telezooms, die jeder Hersteller in mindestens einer Ausführung im Sortiment hat. Einen Bildstabilisator braucht es meiner Meinung nach hier nicht.

 

(Wild-) Tieraufnahmen und Vogelfotografie

Hier sind wir eindeutig im Bereich der Supertele angekommen. Für richtige Wildlifeaufnahmen gehört noch einiger mehr dazu als „nur“ ein Objektiv. Es erfordert einiges an Planung und Recherche. Außerdem brauchst du irgendwo eine Art „Ansitz“ oder ein Tarnzelt. Viele Tiere machen sich schon vom Acker wenn sich dich nur kommen sehen oder hören.

Aber zurück zum Objektiv: Ich hatte mein Glück mal mit einer 300mm Festbrennweite an einer Cropkamera versucht und festgestellt, dass auch die noch zu kurz sind. Unter 400mm am APS-C Sensor würde ich das gar nicht mehr versuchen. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, wie dieses Bild:

Welches Objektiv für Vogelfotografie
Das Foto hab ich in Kanada mit meinem 70-200mm an der EOS 6D bei maximalem Zoom gemacht. Es geht also schon, der Vogel nimmt aber nur einen sehr kleinen Bereich im Bild ein.

Festbrennweiten in dieser Länge sind ziemlich teuer. Für einfach mal so also nicht wirklich eine Option, finde ich. Mein Rat wäre deshalb ein entsprechendes Telezoom. Klar musst du da Kompromisse eingehen was Abbildungsqualität und Lichtstärke angeht, aber die sind noch bezahlbar irgendwie.

Mondfotografie, Sternenhimmel, Milchstraße und Astrofotografie

Auch wenn ich das hier jetzt mal zusammengefasst habe, müssen wir die Mondfotografie vom Rest ein wenig abtrennen. Denn um den Mond einigermaßen bildfüllend auf den Sensor zu bekommen, braucht man schon eine lange Telebrennweite in Richtung 500mm. Wenn du den Mond nur als Teil im Bild haben willst reiche natürlich weniger. Man kann bei Sensoren mit vielen Megapixeln auch ruhig etwas tricksen und den Rand ein Stück weit abschneiden.

Der Mond ist übrigens recht hell, viel heller als du dir das vielleicht gerade denkst. Die Belichtungszeit ist also gar nicht sooo kritisch.

Anders ist das bei Astroaufnahmen. Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen, denn darüber kann man ganze Bücher schreiben. Auch die Möglichkeit die Kamera an ein Teleskop zu hängen lasse ich mal außen vor. Wenn du wirklich Sterne oder die Milchstraße ins Bild bekommen willst, dann nimm ein Weitwinkelobjektiv. Und zwar ein möglichst lichtstarkes. Das Problem bei der Sache ist, dass die Erde sich dreht, während die Sterne still stehen.

Belichtest du zu lange wandern die Sterne im Bild und es entstehen anstatt kleinen hellen Punkten weiße Striche. Je weitwinkliger dein Objektiv ist, desto später fällt diese Bewegung im Bild auf. Du kannst also mit einer kürzeren Brennweite länger belichten. Mit einem lichtstarken Objektiv sowieso.

Nahaufnahmen und Makrofotografie

Während Nahaufnahmen noch mit so gut wie jedem Objektiv zu machen sind, wird es bei Makros schon schwieriger. Da bist du nämlich richtig nah dran und das machen viele Objektive nicht mit. Jedes Objektiv hat eine Naheinstellgrenze. Das ist der Mindestabstand zum Motiv, den du einhalten musst, damit das Objektiv noch fokussieren kann. Wenn dein Objektiv eine Entfernungsskala hat, kannst du die Naheinstellgrenze da einfach ablesen. Gemessen wird die übrigens nicht von der Frontlinse sondern vom Sensor aus.

Makroobjektive sind Spezialkonstruktionen mit einer besonders kurzen Naheinstellgrenze. Mehr Infos findest in meinem Artikel „Welches Objektiv für Makros“.

Für was welches Objektiv - Nahaufnahmen
Makroaufnahme eines Schmetterlings mit dem Tamron 180mm f/3,5

Innenaufnahmen

Fotografierst du in Innenräumen gibt es zwei Schwierigkeiten: Es gibt wenig Platz und es ist ziemlich dunkel im Vergleich zu draußen. Hier haben wir also auch wieder einen Fall für’s Weitwinkel oder wahrscheinlich eher sogar für ein Ultraweitwinkel.

Wenn du aus der Hand fotografieren musst ist Lichtstärke und/oder ein Bildstabilisator hier unverzichtbar. Ein Stativ wäre aber auch sehr zu empfehlen.

Portraitaufnahmen

Egal ob Mensch, Hund oder Katze: Für Portraits eignet sich ein leichtes Tele sehr gut, irgendwas zwischen 50 und 100mm. Die klassische Protraitbrennweite ist eine 85mm Festbrennweite. Die Lichtstärke kommt bei Festbrennweiten automatisch, denn die wird gerne genutzt um den Hintergrund schön unscharf zu bekommen.

Längere Brennweiten gehen natürlich auch, meistens scheitert es aber am Platz, denn dann musst du ziemlich weit weg stehen. Weitwinkelobjektive kann man nutzen, allerdings verzerren die das Motiv, was schnell mal zu Knollnasen und so weiter führt. Wenn du das willst nimm ein Weitwinkel, ansonsten halt dich lieber an die Empfehlung von oben.

Panoramafotos

Für alle die nicht genug Weitwinkel bekommen können gibt es die Möglichkeit des Panoramas. Hier werden in der Nachbearbeitung (oder auch in der Kamera direkt bei manchen Modellen) mehrere Bilder zu einem großen zusammengefügt. Dass das nicht immer ganz einfach und reibungslos funktioniert, kannst du dir ja sicher denken 😉

Manche Panoramen kann man aus der Hand fotografieren. Das funktioniert aber nur, wenn alles im Bild möglichst weit weg ist. Sind Objekte relativ nah, brauchst du einen speziellen Stativkopf (hier erkläre ich auch womit das zusammenhängt).

Welches Objektiv du für Panoramen nimmst ist theoretisch egal. Mit einem Panoramakopf (oder besser Nodalpunktadapter, wie er richtig heißt) kannst du auch ein lange Tele nehmen. Damit kannst du am Computer Bilder mit gigantischer Auflösung erstellen. Die Frage ist halt nur, ob man das braucht.

Weniger Arbeit hast du, wenn du ein Weitwinkel verwendest. Denn damit musst du viel weniger Fotos machen, um alles auf’s Bild zu bekommen. Natürlich sollte die Brennweite nicht zu kurz sein, denn ein Panorama lebt auch von Details. Ich würde mich vielleicht weniger auf eine Brennweite festlegen, sondern eher auf die Anzahl der Bilder. Damit der Aufwand nicht zu groß wird, sollte das Panorama nicht aus mehr als drei bis fünf Bildern bestehen.

Ob Festbrennweite oder Zoom ist meiner Meinung nach eher eine Geschmacksfrage.

Fazit

Du siehst, es gibt nicht DAS Objektiv für alles. Immerhin ist die Möglichkeit das Objektiv zu wechseln der große Vorteil an Spiegelreflex- und Systemkameras. Der Artikel hat dich hoffentlich einen kleinen Schubs in die richtige Richtung geben können und du weißt jetzt was für eine Art Objektiv dich weiterbringt.

Haben dir irgendwelche Informationen hier gefehlt? Hast du noch Fragen zum Thema? Schreib sie einfach in die Kommentare unter dem Beitrag!

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2 Gedanken zu “Welches Objektiv brauche ich für was?”

  1. Hallo aus Hamburg, ein sehr verständlich geschriebener Artikel. Er zeigt ganz deutlich, dass es im Bereich der Objektive eben keine eierlegende Wollmichsau gibt und In der Regel jeder mehrere für seine Bedürfnisse angepasste Objektive braucht. Deshalb sind wohl auch die Fotorucksäcke so groß 🙂 Aber der Artikel gibt gute Hinweise in welcher Situation man welche Art von Objektiv nutzen sollte. Vielleicht kannst du diesbezüglich noch Tipps für Panoramafotografie geben, Weitwinkel, Telezoom, Festbrennweite?

    1. Hallo Claus,
      da hast du völlig Recht. Die Erkenntnis sollte wirklich jeder mitnehmen. Panoramafotografie ist schon sehr speziell, weil es hier beim Zubehör mit dem Objektiv meistens nicht getan ist. Ich ergänze nachher einen kurzen Abschnitt.

      Viele Grüße

      Philipp

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