Welches Objektiv für Makros – was du vor dem Kauf wissen solltest

Welches Objektiv für Makroaufnahmen? Die Frage klingt simpel, ist sie aber nicht. Das Problem sind die Hersteller. Es hat sich eingebürgert, dass Objektive mit gefühlt tausend Bezeichnungen und Kürzeln verkauft werden. Da gibt es dann ein 8-800mm L USM IS DG DO Makro VS, ich übertreibe natürlich, aber du verstehst was ich meine, oder? Wenn du mit einer Linse nur einigermaßen nah ans Motiv rankommst, dann ist das gleich ein Makroobjektiv.

Echte und falsche Makroobjektive

Bei einem Makroobjektiv kommt es aber auf mehr an. Zunächst einmal sind alle „echten“ Makroobjektive Festbrennweiten. Das ist zwar kein echtes Ausschlusskriterium, hilft aber sehr. Mir ist kein Makroobjektiv bekannt, mit dem man zoomen kann.

Makroobjektive sind für den Nahbereich optimiert. Das heißt sie sind so gebaut, dass sie ihre volle Stärke am unteren Ende des Fokusbereichs ausspielen. Sie lösen im Nahbereich höher auf, sprich die Bildqualität ist da besser. Die meisten „normalen“ Objektive, egal ob Weitwinkel oder Teleobjektiv, sind auf unendlich optimiert. Wenn du mal überlegst wofür du solche Brennweiten einsetzt, beispielsweise Landschaftsaufnahmen oder Tierfotografie, dann ergibt das auch Sinn. Moderne Makroobjektive kompensieren das zu großen Teilen sehr gut, bleiben aber trotzdem in erster Linie Makroobjektive.

Ein weiterer Punkt ist der Fokusweg des Objektivs. Der ist gerade im Nahbereich sehr fein aufgeteilt. Das heißt du musst beim manuellen Fokussieren unter Umständen sehr weit drehen. Das macht zwar den Autofokus etwas langsamer, einfach weil er eine größere Strecke zurücklegen muss, dafür kann man sehr präzise scharfstellen.

Makro Objektiv
Schalter am Makroobjektiv

Viele Makroobjektive haben auch einen Schalter um den Fokusweg zu begrenzen (siehe Bild oben). So wird entweder der gesamte Fokusbereich freigegeben oder nur von der Naheinstellgrenze bis etwa zur Mitte beziehungsweise von der Mitte bis unendlich. Diese Begrenzung gilt natürlich nur für den Autofokus.

Das ist insgesamt eine nette Sache, allerdings kann man in vielen Fällen auch manuell fokussieren, in einigen muss man das sogar, und kommt zu genauso guten Ergebnissen. Ganz ehrlich, von Hand fokussieren ist bei Makroaufnahmen echt easy. Probiers’s aus.

Welche Brennweite sollte ein Makroobjektiv haben?

Ok, ok, du willst jetzt sicher wissen welches Objektiv du dir am besten holst. Da komme ich in einer Sekunde drauf. Es gibt grob gesagt drei Typen von „echten“ Makroobjektiven. Einer um 100mm Brennweite, einer um 60mm und einer so um die 180mm.

Am häufigsten findest du sicher Makroobjektive um die 100mm. Die kürzeren Vertreter sind manchmal preislich etwas günstiger und wohl auch etwas vielseitiger einsetzbar. Gerade wenn du eine Kamera mit Crop-Faktor hast. Dafür musst du mit den Dingern auch wirklich verdammt nah rangehen.

Ganz ehrlich… Ich weiß nicht wofür diese kurzen Brennweiten-Dinger in der Makrofotografie gut sein sollen. Es gibt genau ein spannendes Objektiv in diesem Brennweitenbereich: Das MP-E 65mm von Canon. Das ist ein Lupenobjektiv und ermöglicht eine bis zu fünffache Vergrößerung. „Normale“ Makroobjektive leisten „nur“ 1:1. Dieses 65er ist aber wirklich ein Spezialobjektiv.

Die 100mm sind oft und gerade für den Anfang ein guter Kompromiss finde ich. Es gibt einige Modelle zur Auswahl, darunter günstigere und welche mit mehr Features:

Ich selbst nutze inzwischen auch (und immer öfter) ein längeres Makroobjektiv mit einer Brennweite von 180mm. Damit kann ich einen größeren Abstand zu meinem Motiv halten, was die Zahl der flüchtenden Insekten schon merklich reduziert. Selbst wenn du früh morgen losziehst, um die Kältestarre auszunutzen hilft es. Auch wenn eine Libelle beispielsweise noch nicht flugfähig ist tänzelt sie trotzdem um den Schilfhalm drumherum, um sich vor der Kamera zu verstecken.

Es bringt also auf jeden Fall was. Natürlich hat das ganze auch Nachteile. Die Auswahl ist deutlich eingeschränkt:

Auf die geringere Lichtstärke würde ich nichts geben. Durch den größeren Abstand ist es aber schwieriger das Motiv überhaupt mal ins Bild zu bekommen. Da braucht man ein wenig Übung. Außerdem wirst du hier ein Stativ für Makrofotos brauchen. Die längere Brennweite ist für Verwacklungen noch anfälliger. Einen Bildstabilisator gibt es nur im Sigma und das ist, wie die anderen beiden auch, schon ein älteres Modell.

Dazu kommt, dass sowohl das Canon als auch das Sigma recht teuer sind. Das Tamron ist auch nicht günstig aber günstiger. Das nutze ich übrigens selbst und bin sehr zufrieden damit.

Braucht ein Makroobjektiv einen Bildstabilisator?

Das ist wieder so eine Sache. Da du bei Makrofotos stark abblenden musst, damit dein Motiv entsprechend scharf wird, wird es oft an Licht fehlen und die Verschlusszeiten werden länger. Ein Stativ schafft da Abhilfe, ist aber etwas nervig im Aufbau.

Makroaufnahme: Spinne sitzt auf Holz
1/60 Sek. bei f/11 und ISO 400

Wenn sich dein Motiv bewegt bringt auch ein Bildstabilisator nix. Der kann die Ameise, die vor der Linse rumzappelt, auch nicht an die Leine nehmen. Ameisen sind echt hyperaktiv, heb‘ dir die für später auf… Es gibt aber auch viele Krabbeltiere, die ziemlich still sitzen. Spinnen sind größtenteils seeeeehr geduldig und sitzen stundenlang an einer Stelle. Das Exemplar oben konnte ich mit Bildstabilisator problemlos aus der Hand fotografieren. Aber ich schweife ab…

Die Antwort ist: Ich weiß es nicht. Ich finde den Stabilisator an meinem Objektiv super und es macht mir richtig Spass auch einfach mal drauf los fotografieren zu können und nicht jedes Mal mit dem Stativ hantieren zu müssen. Ich weiß aber auch, dass Objektive mit Bildstabilisierung meist teuer sind. Eine gute Wahl wäre vielleicht das Sigma 105mm. Die Linse ist bildstabilisiert, hat einen guten Ruf und ist zu einem ähnlichen Preis zu haben, wie das Canon Makro ohne IS. Ist aber schon länger auf dem Markt und hat daher nicht die allerneuste Technik verbaut, gerade bei der Bildstabilisierung hat sich mit den Jahren doch noch einiges getan. Es hängt also letztendlich von deinem Budget ab. Wenn du allerdings anfängst dich in Abbildungsmaßstäben größer als 1:1 zu bewegen, hilft auch der Stabilisator nicht mehr viel.

Ich benutze das Canon 100mm Makro IS,  der Link führt dich zu meinem Testbericht. Dort findest du auch eine Liste mit weiteren Makroobjektiven, die in Frage kämen.

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2 Gedanken zu “Welches Objektiv für Makros – was du vor dem Kauf wissen solltest”

  1. Hi Phillip, danke für die guten Tipps in Sachen Makrofotografie. Ich arbeite derzeit mit einem einfachen Makrozoom von canon und mit zusätzlichen Makrolinsen. An ein richtiges Makro Objektiv habe ich mich bislang noch nicht herangetraut, Deine Gedanken dazu waren sehr hilfreich. Z.B. das Sigma 105… würdest Du dieses auch empfehlen für Portaitfotografie?

    Es gibt ja auch reseller von gebrauchten Objektiven, hast Du damit schon mal Erfahrungen gemacht?

    Ich werde Deinen Blog mal im Auge behalten. Und mir Dein ebook zu den vier Jahreszeiten ansehen. In diesem Sinne wünsche ich Dir schöne Jahreszeiten mit tollen Objekten…

    1. Hi Uli,

      freut mich, dass ich helfen konnte.

      Ich fotografiere eigentlich keine Portraits, denke aber, dass 100mm an einer Crop-Kamera etwas lang sind. An einer Vollformat-Kamera könnte ich mir das vorstellen.

      Aber wie gesagt, ist nicht so meine Baustelle.

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