Die ideale Blende für Makrofotos

Über die Blende kontrollierst du den Schärfebereich deiner Fotos, nicht nur in der Makrofotografie. Bei Makroaufnahmen ist es aber ein besonders leidiges Thema. Normalerweise reißen wir die Blende möglichst weit auf, wir wollen ja eine geringe Tiefenschärfe, ein cremiges, supersoftes, zart schmelzendes Bokeh mit Kamillenextrakt.

Ich übertreibe jetzt, aber du verstehst, was ich meine. Die gute Nachricht für alle Bokeh-Fetischisten: In der Makrofotografie gibt’s eine Bokeh-Garantie, man kommt im Grunde gar nicht dran vorbei. Der Schärfebereich ist bei solchen Nahaufnahmen einfach verflucht klein. Deshalb musst du in diesem Fall abblenden und zwar nicht zu knapp.

Ich weiß, du hast gefragt welche Blende für Makrofotos die richtige ist. Hab ich nicht vergessen, aber ich muss ein klein wenig ausholen, um die Frage zu beantworten. Denn, wie so oft, kommt es darauf an. Die perfekte Blende gibt es so nicht, denn mit dem Abblenden ist das so eine Sache.

Wir gehen im folgenden jetzt mal davon aus, dass du bei strahlendstem Sonnenschein fotografierst. Ansonsten würde uns das fehlende Licht allein schon einen Strich durch die Rechnung machen. Wir müssten schon einen Kompromiss aus Blende und ISO finden um überhaupt ein vernünftiges Bild zu bekommen.

Vor- und Nachteile hoher Blendenwerte

Du weißt vielleicht, dass die Abbildungsleistung eines Objektivs mit Schließen der Blende zunimmt, das hat mit der Physik dahinter zu tun. Dein Bild wird schärfer (nicht verwechseln mit Tiefenschärfe), Vignettierungen, also Abschattungen in den Ecken des Bildes, und Farbsäume (Chromatische Aberrationen) werden weniger.

Das gilt aber nicht unbegrenzt, also viel hilft hier nicht viel. Wenn du nämlich zu stark abblendest, dann kommt wieder die doofe Physik ins Spiel und macht uns mit sogenannten Beugungsunschärfen einen Strich durch die Rechnung. Einfach ausgedrückt, wenn du zu stark abblendest wird dein Bild wieder unschärfer. Schweinerei, ich weiß.

Als Makrofotografen bringt uns das jetzt in eine blöde Situation. Denn während die Bildqualität bei zu hohen Blendenwerten leidet, nimmt der Schärfebereich weiter munter zu und hier hilft uns wirklich jeder Millimeter mehr an Tiefenschärfe. Ab wann die Qualität anfängt zu leiden ist dabei abhängig davon welches Objektiv du benutzt.

Die ideale Blende ermitteln

Einen guten Anhaltspunkt bietet die Firma DXOMark. Die testen sehr viele Objektive im Labor bei verschiedenen Einstellungen und stellen die Ergebnisse online. Du solltest diesen Tests allerdings keinen zu hohen Stellenwert geben. Nicht weil sie falsch sind, sondern weil es eben Laborwerte sind. In der Praxis fallen viele dieser Unterschiede gar nicht auf.

Du musst also die ideale Balance finden zwischen Bildqualität und Tiefenschärfe. Klar, mit Stacking, also dem Zusammenfügen unterschiedlich fokussierter Bilder, könntest du immer mit der „perfekten Blende“ fotografieren. Funtkioniert aber auch nur, so lange dein Motiv still hält und genügend Licht vorhanden ist.

Makroaufnahme einer Krabbenspinne
1/80 Sekunde bei f/8 und ISO 800 – Canon 100mm f/2,8 IS an der EOS 7D

Nochmal zusammengefasst: Abblenden so weit wie nötig, so wenig wie möglich. In der Praxis wirst du aber sehr oft Kompromisse eingehen müssen. Es gibt einfach zu viele Faktoren, die dir einen Strich durch die Rechnung machen können. Beim Bild der Krabbenspinne oben war ich beispielsweise schon am absoluten Limit. Mit dem Licht hatte ich einigermaßen Glück, dafür war es aber sehr windig. Die Fingerhutpflanze schwankte ordentlich, sodass ich aus der Hand fotografieren musste. Mehr als Blende 8 war nicht drin. Einerseits gut, weil das Objektiv hier beste Qualität liefert, dafür ist der Schärfebereich verdammt klein. Schau dir das Bild einfach mal in groß an. Die Schärfe sitzt hier ziemlich genau auf der „Nase“ der Spinne, danach ist’s aber auch schon vorbei mit scharf.

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