Günstiger Makroschlitten „Kiwi Fotos FC-1“ im Test

Präzises Fokussieren ist im Makrobereich unverzichtbar. Immerhin sprechen wir hier von Bruchteilen eines Millimeters, die über scharf oder unscharf entscheiden. Ein Makroschlitten (manchmal auch Kreuzschlitten oder Makroschiene genannt) kann dabei sehr hilfreich sein. Wenn dein Makroobjektiv einen langen Fokusweg hat und du keine zusätzlichen Hilfsmittel wie Zwischenringe oder einen Achromat benutzt, klappt’s mit dem Scharfstellen in der Regel auch so. Wenn der Abbildungsmaßstab in Richtung 1:1 geht, greife ich aber auch öfter zum Makroschlitten.

Nutzt du ein Objektiv, das nur einen „normalen“ Fokusweg hat, wird es viel schwieriger den richtigen Punkt zu treffen. Möchtest du mehrere Aufnahmen machen, um die später via Focus-Stacking zu kombinieren, kommst du um eine Makroschiene kaum drumherum.

Was ist denn nun ein Makroschlitten?

Im Grunde ist ein Makroschlitten nur eine Metallschiene, an der ein ein Zahnkranz angebracht ist. Diese Schiene liegt in einer Führung mit einer Rändelschraube. Diese Schraube hat ebenfalls kleine Zähne, die, passend zum Zahnkranz an der Schiene, ineinandergreifen.

So kann ich die Schiene vor und zurück bewegen, wenn ich an der Schraube drehe. Je feiner die Übersetzung, desto präziser kann ich die Schiene verstellen. Damit ich damit meine Kamera vor und zurück bewegen kann, ist auf der Schiene eine entsprechende Befestigungsmöglichkeit angebracht.

Fokussiert wird also nicht mehr über den Fokus am Objektiv. Das wird auf einen festen Wert beziehungsweise Abbildungsmaßstab eingestellt. Der Fokus wird durch vor und zurück bewegen der Kamera einfach mit verschoben.

Bei einem Kreuzschlitten sind dann einfach zwei dieser Schiene aufeinander und um 90 Grad gedreht befestigt. Die eine Schiene fährt dann nach links und rechts, die andere vor und zurück.

Bei einigen Modellen sind das Schnellkupplungen für bestimmte Stativplatten. Wenn du eine hohe Kompatibilität suchst und nicht dauernd die Platte an deiner Kamera wechseln willst, dann achte darauf, dass der Schlitten und deine Stativköpfe über eine Arca-Swiss kompatible Kupplung verfügen.

Viele Schlitten haben aber auch nur eine Schraube, die ins Stativgewinde der Kamera (oder der Stativschelle des Objektivs gefreht wird). Hier kannst du aber auch eine Arca-Swiss-Kupplung dazu kaufen und so mit deinen gewohnten Schnellwechselplatten arbeiten. Wenn du, so wie ich, keine Arca-kompatiblen Schnellwechselplatten hast, findest du auch dafür in der Regel passende Kupplungen. Mein Getriebeneiger nimmt zum Beispiel nur die Manfrotto 410 Platten, die dazu passende Kupplung wäre die Manfrotto 394 Kupplung.

Übrigens für Aufnahmen im Hochformat ist ein L-Winkel sinnvoll. Natürlich kann man den ganzen Aufbau mit dem Stativkopf um 90 Grad kippen, dadurch kriegt das Ganze aber ordentlich Schlagseite und bei vielen Makroschlitten rutscht die nach unten geneigte Schiene dann durch. Mit dem L-Winkel lohnt sich dann der Einsatz von Arca-Swiss-kompatiblen Platten und Kupplungen, denn die meisten verfügen von Haus aus über eine entsprechende Fräsung und brauchen keine eigene Platte mehr.

Diese Schnellwechselgeschichte klingt erstmal nach reiner Bequemlichkeit, aber ich sag dir auf Dauer ist die Schrauberei echt nervig…

Foto ohne Makroschlitten
Auch wenn es sehr nah wirkt, sind wir hier noch um einiges von 1:1 entfernt. Da kann man auf den Makroschlitten noch verzichten

Brauche ich sonst noch Zubehör zum Makroschlitten?

Der Makroschlitten kommt immer dann zum Einsatz, wenn maximale Präzision gefragt ist. Dass man das Ding dann nicht einfach in der Hand halten kann, ist klar, denke ich. Du brauchst auf jeden Fall ein stabiles Stativ, auf dem der Schlitten befestigt werden kann.

Es bringt ja nix, wenn ich den Fokus in Millimeterbruchteilen verschieben kann, dabei aber die“Unterlage“ hin und her wackelt. Da der Kreuzschlitten nur zwei Achsen abdeckt, würde ich raten den Schlitten auf dem Stativkopf zu montieren. Der sollte natürlich auch entsprechend stabil sein, ob Kugelkopf, Drei-Wege-Neiger oder Getriebeneiger ist dabei ziemlich egal. So kannst du die Kamera auch noch neigen, wodurch die dein Motiv viel besser ins Bild bekommst, als wenn du das ganze Stativ immer hin und her schieben musst.

Durch die ganzen Zusatzteile wie Schlitten, Kupplung, L-Winkel und so kommt nochmal einiges an Gewicht dazu. Das solltest du bei der Wahl deines Stativs und vor allem des Kopfes unbedingt beachten.

Diese Eigenschaften sollte ein Makroschlitten mitbringen

Es gibt echt einen Haufen Makroschlitten zu kaufen. Von sehr teuer bis spottbillig. Da kann man sich schon fragen, welcher taugt denn nun wirklich was und wie unterscheide ich die gute Schlitten von billigem Schrott?

Zunächst sollten die Schienen über eine gewisse Länge verfügen. 15 Zentimeter halte ich schon für angebracht. Zu lange Schienen sind gefährlich, gerade in Kombination mit einer schweren Kamera fängt die ganze Konstruktion dann gerne mal zu kippen.

Ganz wichtig ist das Material. Kunststoff geht beispielsweise gar nicht (außer vielleicht bei einer Hosentaschen-Kamera). Aluminium sollte es schon sein, damit sich die Schiene nicht anfängt durchzubiegen, wenn der Schlitten voll ausgefahren ist mit einer schweren Kamera auf der Spitze. Die Zähne (also Rändelschraube und -schiene) sollten aus Stahl sein. Plastik und auch Aluminium nutzen sich mit der Zeit ab, wodurch nach und nach die Präzision verloren geht.

Zahnkranz des getesteten Makroschlittens aus Stahl
Der Zahnkranz meines Makroschlittens ist nicht aus Aluminium, sondern aus Stahl

Die Feinheit der Verstellung solltest du unbedingt gleich testen. Dazu sollte eine Millimeterskala und eine Markierung auf den Schienen vorhanden sein. Idealerweise sind die eingraviert und nicht aufgeklebt. Das kannst du ganz einfach testen, wenn du mit dem Fingernagel über die Skala fährst, solltest du ein klein wenig hängen bleiben (es kratzt etwas mehr als auf dem blanken Metall).

Beim Verstellen solltest du dich problemlos zwischen zwei Millimeterstrichen hin und her bewegen können. Dann ist die Übersetzung fein genug für sehr viele Anwendungsfälle.

Meine Kaufkriterien für einen Makroschlitten

Der „König“ unter den Makroschlitten wäre wohl der Castel-Cross-Q von Novoflex. Der ist zwar der absolute Hammer, ein Schnäppchen ist der allerdings nicht. Deshalb habe ich nach einer günstigeren Alternative gesucht.

Wichtig war mir, neben den allgemeinen Kriterien, die ich oben schon erklärt habe, eigentlich nur, dass der Schlitten sich präzise verstellen lässt und, dass es ein 4-Wege-Schlitten ist. Das heißt er hat zwei Achsen und lässt sich so nicht nur vor und zurück, sondern auch nach links und rechts verstellen. Das ist beim Ausrichten der Kamera ganz hilfreich, so muss ich nicht immer am Stativ rumrütteln.

Meine Wahl fiel dann auf das Kiwi Fotos FC-1 Modell. Nachtrag: Inzwischen ist die Version 2 des Schlittens verfügbar, die über ein Schnellwechselsystem verfügt.

günstiger Makroschlitten von Kiwi Fotos
die kleineren Schrauben sollen die Friktion regeln, die großen sind zum Verstellen des Schlittens

Der Kiwi Fotos FC-1 Makroschlitten

Die Optik des Schlittens ist eher klein und unscheinbar. Er verfügt über zwei Schienen, wie ich das wollte, von denen sich jede über ein Rädchen verstellen lässt. Dazu kommt eine Schraube für die Friktion, wobei man die eigentlich nur auf ganz oder gar nicht einstellen kann. Eine richtige Abstufung wie schwer oder leicht sich die Achsen verstellen lassen kann ich nicht feststellen.

Dafür hält die Schraube den Schlitten auch wirklich in Position. Wenn ich die Kamera mit Objektiv nach vorne neige, wandert der Schlitten sonst von alleine nach unten. Das Verstellen der Schienen an sich ist sehr angenehm. Der Widerstand beim Drehen ist gut, sodass man wirklich sehr präzise fokussieren kann. Von daher kann ich über die fehlende Friktionseinstellung hinwegsehen.

Die Position der Friktionsschrauben ist leider nicht ganz ideal. Besonders bei der oberen Schiene ist die Schraube unter dem „Ausleger“, auf dem die Kamera befestigt wird. So richtig gut kommt man da nicht ran. Auch wird die Konstruktion durch dieses Podest, auf dem die Kamera festgeschraubt wird, einen Ticken höher (im Vergleich zum Novoflex-Schlitten etwa).

Makroschlitten auf Stativ
Der Aufbau mit Getriebeneiger und Makroschlitten ist schon recht hoch.

Die Millimeterskala ist nicht aufgeklebt, sondern eingraviert – Pluspunkt.

Zur Befestigung am Stativ hat der Makroschlitten am Boden ein 1/4 Zoll Gewinde, also das gleiche Gewinde über das auch unsere Kameras verfügen. Ein Arca-Swiss Profil bringt der Schlitten nicht mit. Hier muss also zusätzlich noch eine Schnellwechselplatte ran. Wenn ich den FC-1 auf meinem Getriebeneiger nutze, ist mir das egal, da der sowieso eines der Manfrotto-Eigengewächse als Schnellkupplung nutzt. Für die Benutzung auf dem Kugelkopf, fände ich es aber ganz nett.

Die Kamera wird auf dem Makroschlitten direkt über das Stativgewinde befestigt. Müsste ich die Kamera dauernd vom Schlitten runter und wieder drauf machen, fände ich das wahrscheinlich etwas nervig und würde wohl eine Schnellkupplung dazwischen bauen, auch wenn die Konstruktion dann noch einen Ticken höher wird. Meistens lasse ich den Schlitten aber an der Kamera beziehungsweise an der Stativschelle.

Fazit

Für den Preis bekommst du einen soliden Makroschlitten. Perfekt ist er zwar nicht und man muss mit der ein oder anderen Umständlichkeit leben, aber man hat nie das Gefühl irgendwelchen klapprigen Schrott in der Hand zu haben. Wenn du also einen preiswerten Makroschlitten suchst, kann ich dir den hier oder das Nachfolgemodell mit Arca-Swiss Schellwechselplatte nur empfehlen.

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4 Gedanken zu “Günstiger Makroschlitten „Kiwi Fotos FC-1“ im Test”

  1. Saugut!
    Deine Ideen gefallen mir. Was für Hight-Tech ist unter dem Plastik in der Garage?
    Dui probierst Sachen aus, die mit einem normalen Geldbeutel zu schaffen ist.

    Ich hatte viele Spiegel-Refelex-Fotoapparate. Derzeit Canon 700D.

    Welche Zwischenringe für die Macro-Fotografie verwendest Du?

  2. Hallo, ich bin Neueinsteiger.
    Für mich wäre wichtig zu wissen auf welche Kriterien ich bei dem Kauf einer Kamera achten sollte.
    Z.B.: Digital oder Spiegelreflexkamera
    Wieviel Megapixel und welche Brennweite würdest du mindestens empfehlen?
    Da ich kein Krösus bin muss ich natürlich auch darauf achten nicht gleich wieder eine Neue kaufen zu müssen aber auch nicht total überfordert zu sein.

    Danke Anke

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