Der Abbildungsmaßstab und die Makrofotografie

Abbildungsmaßstab, dieser Begriff wird dir besonders in der Makrofotografie häufiger begegnen. Deshalb solltest du wissen was damit gemeint ist und wie er sich auf deine Fotos auswirkt.

Der Abbildungsmaßstab gibt ein Größenverhältnis an, so wie du das wahrscheinlich von Landkarten kennst. 1 Zentimeter auf der Karte entsprechen 1000 Meter in der Realität. Gar nicht kompliziert oder?

In der Makrofotografie gibt der Abbildungsmaßstab das Größenverhältnis des realen Motivs zu seiner Abbildung auf dem Sensor der Kamera an. Abbildung auf dem Sensor? Also das fertige Foto? Nein!

Der Abbildungsmaßstab ist unabhängig von der Auflösung deiner Kamera. Dem ein oder anderen fällt das schwer, weil wir nicht in die Kamera hinein schauen können. Deshalb erkläre ich das mal mit einer kleinen Grafik:

abbildungsmassstab

Einen Physiker kann man damit wahrscheinlich zum Heulen bringen, für uns soll das aber reichen. Die Linsen im Objektiv projizieren das Bild, das du im Sucher siehst, beim Auslösen auf den Sensor. Das kann man sich vorstellen wie bei einem Dia-Projektor oder Beamer, nur eben rückwärts, von groß nach klein. Und genau das ist der Punkt.

In der Makrofotografie gibt der Abbildungsmaßstab den Größenunterschied zwischen dem realen Objekt und dem projizierten Objekt auf dem Sensor an. Wenn ich mir ein Maßband nehme und die Rosenblüte nachmesse, dann hat die, sagen wir mal, 3 Zentimeter (ist eine kleine Rose…).

Dann lege ich das Maßband am projizierten Bild auf dem Sensor an. Dort ist die Rose auch 3 Zentimeter groß, dann habe ich einen Abbildungsmaßstab von 1:1. Wäre sie auf dem Sensor nur 1,5 Zentimeter groß, wäre der Abbildungsmaßstab 1:2. Alles klar? Wäre die Rose auf dem Sensor dagegen 6 Zentimeter groß, wäre der Abbildungsmaßstab 2:1.

Deshalb funktioniert es auch nicht den Abbildungsmaßstab anhand eines gedruckten Fotos festzulegen, da ist vieles größer als in der Realität. Ok, wenn du dein Foto in der Größe deines Sensor ausdruckst, dann kannst du den Abbildungsmaßstab auch daran festmachen. Die meisten Sensoren sind aber kaum größer als eine Briefmarke, wäre also Quatsch. Der Abbildungsmaßstab ändert sich auch nicht durch den sogenannten Crop-Faktor.

Wie wirkt sich der Abbildungsmaßstab auf deine Fotos aus?

Der Abbildungsmaßstab dient als Orientierung. Zwischen 1:10 und 10:1 spricht man von Makrofotografie, bei größeren Abbildungsmaßstäben fängt dann die Mikrofotografie an. Eine eher unspektakuläre Auswirkung.

Wirklich wichtig ist die Tatsache, dass der Abbildungsmaßstab direkt die Größe des Schärfebereichs, sprich Tiefenschärfe, beeinflusst. Je näher du an deinem Motiv dran bist, also je größer der Abbildungsmaßstab, desto geringer wird der Schärfebereich im Bild. Das ist eine der größten Herausforderungen bei Makroaufnahmen.

Noch Fragen zum Abbildungsmaßstab? Schreib sie einfach in die Kommentare.

So erreichst du einen größeren Abbildungsmaßstab

Das „Ziel“ der Makrofotografie ist Kleines groß darzustellen. Das heißt zwar nicht je größer, desto besser, trotzdem brauchen wir, abhängig vom Motiv, einen großen Abbildungsmaßstab. Ein Makroobjektiv schafft in der Regel aus dem Stand einen Maßstab von 1:1. Damit lässt sich schon viel anfangen. Oft reicht sogar ein geringerer Abbildungsmaßstab.

Aber mal ehrlich, du willst wahrscheinlich auch mal so richtig kleine Dinge fotografieren, wo du einen  Maßstab jenseits von 1:1 brauchst.

Wie machen wir das? Indem wir unser Motiv einfach größer auf den Sensor projizieren lassen. Haben wir ja weiter oben gelernt. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten. Dazu eine kleine Grafik, um zwei Begriffe zu erklären, um die es noch öfter gehen wird in diesem Zusammenhang:

Ein Objektiv besteht natürlich aus mehr als einer Linse, macht für die Erklärung aber keinen Unterschied. Um dein Motiv größer auf den Sensor zu bekommen, kannst du zuerst einmal näher rangehen. Da wärst du jetzt auch von alleine drauf gekommen, oder? Näher rangehen verkürzt die Gegenstandsweite. Gegenstandsweite ist der Abstand zwischen Motivebene und Hauptebene, auf deutsch würde man sagen der Abstand zwischen Kamera und Motiv. Irgendwann macht uns dann die Naheinstellgrenze des Objektivs einen Strich durch die Rechnung. Das kannst du zum Beispiel mit Nahlinsen oder Achromaten umgehen.

Die zweite Möglichkeit ist nicht ganz so nahe liegend. Hier kommt die Bildweite ins Spiel. Das ist der Abstand zwischen Sensorebene und Hauptebene, also der Raum zwischen Objektiv und Sensor der Kamera. Stell dir wieder einen Beamer vor. Wenn du den direkt vor eine Wand stellst, wird das Bild ziemlich klein. Steht der Beamer aber auf der anderen Seite des Raums, ist das Bild viel größer. Um diesen Raum zwischen Kamera und Objektiv zu vergrößern kannst du Zwischenringe oder einen Balgen einsetzen.

Übrigens machst du beim Scharfstellen nichts anderes als die Bildweite einzustellen. Und zwar so, dass der Bereich, den du scharf haben willst, genau auf der Sensorebene liegt und nicht davor oder dahinter.

Das war schon alles, mehr Möglichkeiten gibt es im Grunde nicht. Ok, wenn du von der gleiche Position mit einer längeren Brennweite fotografierst, wird der Abbildungsmaßstab natürlich größer. Für gewöhnlich haben Objektive mit längerer Brennweite aber auch eine größere Naheinstellgrenze. Für Makrofotos bringt uns das also nicht so viel, weil wir wahrscheinlich weiter weg vom Motiv gehen müssen.

Zusammenfassung

Um einen größeren Abbildungsmaßstab zu erreichen kannst du entweder die Gegenstandsweite verringern, also näher ans Motiv ran, oder die Bildweite erhöhen, sprich den Abstand zwischen Sensorebene und Hauptebene vergrößern.

Bei beidem wirst du mit deinem Objektiv irgendwann an dessen Grenzen stoßen. Das ist der Zeitpunkt wo Zwischenringe, Balgen und/oder Nahlinsen zum Einsatz kommen. Die sind nämlich genau dafür da, um an diesen beiden Abständen herumzubasteln.

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