Wie du die richtigen Einstellungen für Makrofotografie an deiner Kamera findest

Die besten Makroaufnahmen machst du bei Blende 11, ISO 100 und einer Belichtungszeit von 1/200 Sekunde. So mache ich jedes Foto.

Wie, glaubst du nicht?

Ist auch absoluter Käse.

Blende, Belichtungszeit und so kann man natürlich nicht fest vorgeben. Aber unsere Kameras sind alle sowas von Hightech, dass man an denen noch jede Menge mehr einstellen kann. Und da gibt es einige Einstellungen, die dir das Leben leichter machen.

Das fängt schon an bei den Belichtungsautomatiken. Da gibt es Zeitvorwahl, Blendenvowahl, den manuellen Modus. Alles abgekürzt etwa mit Av, Tv, M, P, X oder Y. Ok, X und Y ist Blödsinn, die anderen gibt es aber bestimmt so oder so ähnlich auch an deiner Kamera.

Dazu kommen, je nach Kamera, noch Einstellungen mit verschiedenen Bildchen für Portrait, Sport und so weiter. Das gängige Symbol für Makro ist übrigens ein Blümchen. Von diesen Modi lass aber bitte die Finger, wir wollen’s ja selber lernen und nicht die Kamera machen lassen.

Wenn dir Zeitvorwahl oder die Kürzel Av und Tv grade gar nichts sagen, dann wirf noch einen schnellen Blick auf meinen allgemeinen Beitrag zu Kameraeinstellungen. Ist nämlich gar nicht kompliziert.

Einstellungen für die bestmögliche Schärfentiefe

Das größte „Problem“ im Makrobereich ist der winzig kleine Schärfebereich. Wir sprechen hier von wenigen Millimetern oder sogar Bruchteilen eines Millimeters. Wie groß dieser Bereich ist hängt in erster Linien von zwei Faktoren ab:

Dem Abstand zum Motiv (je näher du dran bist desto kleiner der Bereich) und der eingestellten Blende. Je weiter du die Blende schließt (je größer also die Zahl), desto größer wird dein Schärfebereich. Das Doofe ist, du kannst nicht einfach die Blende auf Anschlag zumachen und gut. Erstens wird deine Belichtungszeit dann sehr schnell sehr lang und dann muss dein Motiv schon völlig unbeweglich sein, damit du am Ende ein scharfes Bild rausbekommst.

Für zweitens muss ich etwas ausholen:

Du weißt vielleicht, dass mit dem Schließen der Blende nicht nur der Schärfebereich größer wird, sondern auch die Abbildungsleistung eines Objektivs zunimmt. Während die Tiefenschärfe beim Abblenden immer größer wird, erreicht die Abbildungsleistung irgendwann ihr Maximum (meist so zwischen f/8 und f/11) und wird danach wieder geringer. Das nennt man Beugungsunschärfe, die uns da einen Strich durch die Rechnung macht.

Da musst du also ein bisschen austesten ab wann dein Objektiv in die Knie geht.

Makrofotografie Einstellungen für hohe Schärfentiefe
Im Bezug auf die Schärfentiefe ein dankbares Motiv: Der Abbildungsmaßstab kann deutlich großzügiger gewählt werden

Scharfstellen im Makrobereich – so fokussierst du am besten

Je näher du an dein Motiv rangehst, desto wahrscheinlicher wird es, dass der Autofokus eher hinderlich als hilfreich ist. Bei meinen Canon 100mm Makro ist ein schneller Ultraschallmotor verbaut, da kann ich den AF oft bis zu einem Abbildungsmaßstab von 1:2 nutzen, wenn nicht zu viele Grashalme oder anderes Zeug vor meinem Motiv rumhängen. Die Kamera versucht normalerweise auf das Objekt, das am nächsten ist zu fokussieren.

In sehr vielen Fällen wirst du aber nicht drumherum kommen manuell scharfzustellen. Da der Schärfebereich ziemlich gering ist, ist das auch gar nicht so schwer. Ein bisschen nervig wird es, wenn du sehr nah am Boden fotografierst. Um da noch durch den Sucher schauen zu können muss man sich ganz schön verknoten.

Hier hilft entweder ein Winkelsucher oder (meine bevorzugte Methode) die Live-View Funktion der Kamera. In Kombination mit einem Klappdisplay ist das einfach unschlagbar. Ein zusätzlicher Vorteil dabei ist, dass du wenn nötig den Bildausschnitt vergrößern und so ganz exakt fokussieren kannst.

Anfangs kann es noch ein wenig fummelig sein das Motiv überhaupt erstmal ins Bild zu bekommen. Je höher die Brennweite deines Objektivs (also je weiter du am Ende weg bist), desto schwieriger. Ich peile das Insekt, die Blüte oder was auch immer meist über den Blitzschuh der Kamera und/oder die Markierung für’s Anbringen der Gegenlichtblende an.

Funktioniert ganz gut. Den Dreh kriegst du bestimmt schnell raus.

Der richtige Modus für Makroaufnahmen

Blendenvorwahl oder Zeitautomatik (Av)

Die gute Nachricht zuerst: Im Grunde ist es egal welchen Modus du benutzt. Ich bin zum Beispiel einer, bei dem die Kamera (fast) immer auf Av steht. Da kann ich schön den Schärfebereich kontrollieren und regel mir die Zeit über Blende und ISO zurecht, dass mein Foto nicht verwackelt. Über die Belichtungskorrektur muss ich natürlich immer mal wieder etwas gegensteuern, wenn die Kamera dummes Zeug gemessen hat und mein Foto viel zu hell oder dunkel geworden ist.

Zeitvorwahl oder Blendenautomatik (TV)

Mit der Zeitvorwahl kannst du dir eine Zeit auswählen, die du noch aus der Hand scharf fotografieren kannst. Hat aber den Nachteil, dass du sozusagen immer am Limit bist, obwohl du es gar nicht sein müsstest, weil die Lichtverhältnisse auch längere Zeiten hergeben würden.

Ich mag die Zeitvorwahl nicht. Ist aber wahrscheinlich Geschmackssache. Hier kommst du aber genauso wenig um die Belichtungskorrektur und andere Nachjustierungen herum.

Manueller Modus (M)

Dann gibt es noch den manuellen Modus (M). Irgendwelche Fotografen haben den mal zur Königsdisziplin der Fotografie erhoben. Das sind dann die, von denen man immer liest/hört, dass sie ausschließlich manuell fotografieren.

Glückwunsch…

99 Prozent von denen machen aber auch nichts anderes als du oder ich bei Av oder Tv. Sie stellen die Werte so ein, dass die Kamera sagt es passt. Dann wird das Foto angeschaut und nachjustiert, wenn es zu hell oder dunkel ist.

Im Grunde habe ich da auch nichts dagegen, kann ja jeder machen wie er will. Nur, und das ging mir auch kurzzeitig mal so, denken andere Fotografen dann um sich von den „Knipsern“ abzuheben, muss die Kamera auf M stehen. Dabei verschwenden sie dann so viel Hirnschmalz, dass sie schlechtere Bilder machen, weil das wirklich Wichtige auf der Strecke bleibt.

ISO-Automatik im manuellen Modus

Aber zurück zum Thema. Wenn du Bock hast auf M, dann mach’s. Bei mir ist M der Stativmodus, denn wenn ich mit Stativ fotografiere dann ist das ganze nochmal eine Nummer entschleunigter, ich fotografiere nochmal eine Ecke bewusster. Da passt ein manueller Modus einfach gut rein. Und beim Einsatz von Blitzlicht steht meine Kamera auch auf manuell.

Eine Besonderheit noch bei M: Für den Fall, dass du mal Blende und Zeit fest einstellen willst/musst und gleichzeitig mit wechselnden Lichtverhältnissen zu tun hast. Ist draußen durchaus mal der Fall, besonders im Wald. Dann brauchst du natürlich den manuellen Modus, kannst dir aber trotzdem eine Automatik beibehalten.

Dazu musst du nur die ISO auf „AUTO“ stellen. Bei manchen Kameras kannst du sogar einen maximalen Wert für die ISO-Automatik festlegen. So läufst du nicht Gefahr plötzlich Fotos bei ISO 5 Millionen zu machen, wobei nur Schneegestöber rauskommt.

Die Belichtungsmessung

Selbst wenn du im Modus „M“ fotografierst, ist ein kurzer Blick auf den Belichtungsmesser im Sucher nie verkehrt. Blind die genau passenden Einstellungen zu treffen ist schwierig. Klar, du kannst einfach so lange Testfotos machen bis es passt, die musst du dann hinterher aber wieder aussortieren. Besser gleich richtig machen.

Für die Belichtungsmessung gibt es an deiner Kamera verschiedene Messmethoden. Die gängigen will ich hier kurz vorstellen.

Matrix- oder Mehrfeldmessung

Hier werden mehrere Punkte im Bild herausgegriffen und gemessen. Für gewöhnlich sind das die Punkte, wo auch die Autofokusfelder deiner Kamera liegen. Aber nicht verwechseln, diese AF-Sensoren messen nicht die Belichtung. Durch das Messen dieser verschiedenen Stellen im Bild versucht die Kamera herauszufinden welche Art von Motiv du gerade fotografieren willst. Die Software zieht hier auch noch die Entfernung zum Motiv, die Farben im Bild oder die aktuelle Brennweite hinzu. So wird versucht für die ideale Belichtung für dein aktuelles Motiv zu ermitteln

Wie so oft werden diese Automatiken der Kameras immer besser und zuverlässiger, können aber trotzdem auch mal gewaltig daneben liegen.

Selektivmessung

Die Selektivmessung misst einen Kreis in der Mitte des Suchers, der etwa zehn Prozent des Bildes ausmacht. Alles drumherum wird ignoriert. Hier gibt es keine intelligenten Automatiken. Blende, Verschlusszeit und so weiter werden so eingestellt, dass der gemessene Bildteil von seiner Helligkeit einen 18 prozentigen Grauwert entspricht. Wenn du also eine weiße Wand oder eine schwarze Tür misst, kann ich dir versprechen, dass dein Bild zu dunkel beziehungsweise zu hell werden wird.

Spotmessung

Hier haben wir es mit einer Art Selektivmessung zu tun. Bei der Spotmessung ist der Kreis aber deutlich kleiner, etwa drei bis vier Prozent des Bildes werden hier berücksichtigt. Es gibt Kameras, die den Spot auf das ausgewählte Autofokusfeld setzen. Ich meine bei Nikon ginge das, aber keine Garantie. Meine 7D blendet mit im Sucher den Spot immer in der Mitte ein, auch wenn ich das AF-Feld verschiebe. Deshalb behaupte ich mal, dass das bei Canon nicht funktioniert.

Mittenbetonte oder Integralmessung

Bei der Integralmessung wird das gesamte Bild berücksichtigt. Die Belichtung erfolgt wieder auf ein 18 prozentiges Grau. Es werden aber nicht alle Bildteile gleich stark gewichtet. Du kannst es dir vielleicht schon denken. Die Bildmitte hat das meiste Gewicht, je weiter wir uns von ihr entfernen desto weniger Einfluss hat der Bildteil auf die Belichtungsmessung.

Einstellung für Makrofotos: die verschiedenen Messmethoden
die weißen Bereiche zeigen den Bildteil, der zur Messung verwendet wird

Welche Messmethode für Makroaufnahmen?

Das ist mal wieder eine Geschmacksfrage. Zumindest ein wenig. Die Spotmessung solltest du auf jeden Fall im Hinterkopf behalten. Gerade bei schwierigen Lichtsituationen, etwa Gegenlichtaufnahmen oder wenn das Licht nur fleckenweise ins Bild fällt, etwa im Wald. Da misst die Kamera schnell mal viel Licht, nur dein Motiv liegt dann im Dunkeln.

Hier ist die Spotmessung wirklich sehr hilfreich. Ich messe dann zuerst mit dem Spot die Stelle im Bild, die ich korrekt belichtet haben will. Dann kann ich die Messung entweder mit der *-Taste speichern und dann meinen Bildausschnitt festlegen oder ich merke mit die Werte und Stelle die Belichtung und die Belichtungskorrektur so ein, dass es passt.

Das Speichern mit *-Taste kann ich bei Makroaufnahmen nicht empfehlen. Dafür geht das einfach nicht schnell genug. Die Kamera behält die gespeicherten Werte nämlich nicht ewig.

Die übrigen Messmethoden kannst du ganz nach deinen persönlichen Vorlieben verwenden. Ich benutze die Selektivmessung im Grunde gar nicht, die Mehrfeldmessung auch nicht mehr wirklich. Meine Kamera steht meistens auf Integralmessung, hin und wieder auf Spot. Damit fahre ich gut, kein Grund also was zu verändern. Probier einfach aus, was dir mehr liegt.

Makrofoto mit Einstellungen am Limit
1/200 Sekunde bei f/13 und ISO 800 – Canon 100mm f/2,8 IS

Einstellungen beim Fotografieren mit Stativ

Fotografierst du vom Stativ, gibt es noch ein paar sehr sinnvolle Einstellungen. Hat dein Objektiv einen Bildstabilisator? Schalt ihn aus. Bei modernen Linsen heißt es zwar, dass die erkennen, wenn die Kamera auf dem Stativ steht, aber trotzdem. Einfach ausschalten, spart auch Akku.

Makroschlitten

Ok… Das ist jetzt keine richtige Einstellung, passt aber hier trotzdem. Viele raten dazu einen Makroschlitten zu verwenden. Damit kannst du deine Kamera vor und zurück (oder auf die Seite) „fahren“. Der Fokus am Objektiv bleibt fest stehen und du fokussierst indem du den Abstand zum Motiv veränderst.

Für den Anfang würde ich auf den Schlitten verzichten, wenn du ein Makroobjektiv hast. Hier ist der Fokusweg schon sehr fein.

Wenn es in Richtung 1:1 und drüber geht oder du Stacken willst, dann ist ein Makroschlitten sinnvoll.

Spiegelvorauslösung

Auch nützlich ist die Spiegelvorauslösung. Gibt es natürlich nur bei Kameras mit Spiegel. Normalerweise klappt der Spiegel beim Auslösen hoch und dann nimmt die Kamera direkt das Bild auf. Ist die Spiegelvorauslösung aktiviert, macht die Kamera zwischen Hochklappen des Spiegels und der Aufnahme des Bildes eine Pause. Je nach Einstellungen musst du auch noch ein zweites Mal den Auslöser drücken, so kenne ich das von meinen Kameras.

Die Idee dahinter ist folgende: Der Spiegel verursacht beim Hochklappen Erschütterungen. Bei „normalen“ Fotos fällt das oft nicht ins Gewicht. Bei Makroaufnahmen bist du aber so nah am Motiv, dass selbst kleinste Bewegungen einen deutlichen Einfluss auf das Bild haben. Es kommt dadurch schnell zu Verwacklern.

Glaubst du nicht? Dann halt mal deine Hand ans Stativ wenn der Spiegel hochklappt. Die Erschütterungen spürst du bis da hin.

Übrigens: Im Live-View brauchst du die Spiegelvorauslösung natürlich nicht, denn da ist der Spiegel schon oben. So kannst du das Problem auch angehen, falls deine Kamera diese Funktion nicht hat. Gerade bei den günstigen Modellen kommt das schon mal vor.

Fernauslöser

Wenn du nach der Spiegelvorauslösung noch ein zweites Mal auf den Auslöser drücken musst, dann verwende am besten einen Fernauslöser. Kabel, Funk oder Infrarot, ist völlig egal. Ich nehme dafür meine Yonguos, die können nämlich nicht nur Blitze auslösen. Du musst nur beim Kauf des Sets darauf achten, dass das passende Kabel für deine Kamera dabei liegt, da gibt es leider Unterschiede, sogar zwischen einzelnen Canon Modellen.

Alternativ, zumindest bei Canon, kannst du auch den Selbstauslöser mit zwei oder zehn Sekunden nutzen. In Kombination mit Spiegelvorauslösung klappt hier der Spiegel beim Start des Countdowns schon hoch.

Piepst und blinkt halt währenddessen die ganze Zeit…

Fernauslöser sind übrigens auch ohne Spiegelvorauslösung praktisch. Dann kannst du auch nicht an der Kamera rumwackeln, wenn du den Auslöser drückst.

Eins noch: Die Spiegelvorauslösung ist meist irgendwo im Menü versteckt. Da musst du wahrscheinlich ein bisschen suchen. Zur Not schau im Handbuch nach, da gibt’s bestimmt ein Register oder (digital) eine Möglichkeit zu suchen. Wenn deine Belichtungszeiten eher sportlich, also kurz sind, dann kannst du das auch mal vernachlässigen. Dann sollte die Verschlusszeit aber wirklich kurz sein!

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