Welches Stativ eignet sich am besten für Makro-Fotografie?

Um ein Stativ kommst du in der Makrofotografie leider irgendwann nicht mehr drumherum. Es ist zwar möglich aus der Hand zu fotografieren aber früher oder später wirst du an deine oder besser gesagt an die Grenzen der Physik stoßen.

Warum ein Stativ für Makroaufnahmen?

Je näher du rangehst, desto kleiner wird der Schärfebereich. Da hilft nur abblenden, wodurch die Belichtungszeiten immer länger werden. Da hilft auch der beste Bildstabilisator nix mehr.

Klar kannst du durch Abstützen, die richtige Atemtechnik noch ein paar Sekundenbruchteile rausholen aber irgendwann ist Feierabend. Dann musst du dich entscheiden, ob du ein scharfes Bild willst oder lieber aus der Hand fotografierst.

Die Antwort dürfte nicht schwer fallen.

Natürlich kann man jetzt sagen, wenn sich das Motiv sowieso bewegt, bringt doch ein Stativ auch nix. Das ist auch nicht völlig verkehrt, aber je näher wir an einen Abbildungsmaßstab von 1:1 kommen, desto empfindlicher wird die ganze Geschichte was Bewegung angeht. Dazu ist es dann auch unmöglich das Motiv im Fokus zu halten.

Du musst abwägen, eine Biene oder eine hyperaktive Ameise verlangt einfach nach einer kurzen Belichtungszeit. Aber ein Käfer, der gemütlich auf einem Grashalm rumkrabbelt? Da ist eine stabile Kameraposition sinnvoll.

Allgemeine Eigenschaften eines guten Stativs

Ein gutes Stativ leistet zwei Dinge: Es steht stabil und es dämpft Schwingungen.

Stabiler Stand heißt, dass es nicht irgendwie klappert und kippelt oder beim leisesten Windhauch umfällt. Das Material ist hier nicht unwichtig. Ein schweres Stativ aus Metall bleibt im Sturm länger stehen als eines aus Kohlefaser. Dafür ist das Carbonstativ viel angenehmer zu trage, weil es eben nicht so schwer ist.

Zum Glück haben viele Stative unterhalb der Basis einen Haken oder so, wo du ein Gewicht anhängen kannst. Für solche Fälle habe ich dann einen Stoffbeutel dabei in den ich dann Steine oder was auch immer gerade in der Nähe rumliegt reinpacke.

Auch Schwingungen solltest du, gerade im Makrobereich, nicht unterschätzen. Bei einer Spiegelreflexkamera reicht’s schon wenn der Spiegel hochgeklappt wird, dass ein Holperer entsteht. Halt einfach mal die Hand an ein Stativbein und lös‘ die Kamera aus. Den Schlag spürst du.

Vorbeifahrende Autos verursachen auch Erschütterungen, die sich auf das Stativ übertragen können. Je schneller sich das Ganze dann wieder „einkriegt“, desto besser ist die Schwingungsdämpfung des Stativs.

Hier hat Carbon gegenüber Aluminium die Nase vorn. Fast schon ein Geheimtipp ist Eschenholz, das da wohl noch schwingungsärmer ist. Der bekannteste Hersteller von Holzstativen ist die Firma Berlebach, falls du Interesse an so einem Modell hast.

Eigenschaften eines guten Stativs für Makro

Wenn du dir ein Stativ speziell für Makrofotos zulegen willst, würde ich empfehlen eins ohne Mittelsäule zu nehmen (Außer du legst dir zusätzlich noch ein kleines Tischstativ zu, dazu weiter unten).

Wieso?

Weil du ohne Mittelsäule viel tiefer kommst damit. Bei meinem Feisol-Stativ ist die Säule optional und ich kann sie bei Bedarf einbauen oder entfernen. Eine Ausnahme sind die Manfrotto-Stative mit umlegbarer Mittelsäule. Die bekanntesten sind hier das MT190XPRO4 und das MT055XPRO3.

Hier kannst du die Säule quer legen, sodass sie nicht mehr nach unten im Weg steht. Das ist durchaus eine gute Alternative, die dich sehr flexibel macht, auch wenn die Konstruktion natürlich ein wenig Stabilität kostet. Ob du das am Ende in der Praxis wirklich bemerkst, kann ich aber nicht sagen. Das Manfrotto hatte ich für Makro nie im Einsatz.

Das Stativ braucht auch nicht allzu hoch sein. Ich habe mich für mein Stativ unter anderem deswegen entschieden, weil es sich so weit ausfahren lässt, dass ich aufrecht dahinter stehen kann. Bei Landschaftsaufnahmen ist das ganz angenehm nicht immer so buckelig dahinter zu stehen. In der Makrofotografie brauchst du diese Höhe aber nicht. Hier wirst du mehr Zeit kniend oder liegend verbringen.

Was mir an meinem großen Feisol sehr entgegen kommt, ist die Möglichkeit die Stativbeine über dem Kopf zusammenzuklappen. Dadurch kann ich es komplett flach auf den Boden legen. Tiefer geht dann wirklich nicht mehr. Außer ich besorge mir noch einen kleineren Stativkopf.

Kleine Tisch- oder Ministative sind auch nett aber nicht als Allrounder geeignet, sondern eher als Ergänzung gedacht. Mit so einem Zwerg hast du ausgespielt, wenn du an einen Strauch oder einer Hecke fotografieren willst. Wenn du allerdings auf einer Wiese oder sonstwo sehr nah am Boden fotografierst ist so ein Teil super. Auch wenn, wie du unten auf dem Foto siehst, auch große Stative sehr flach aufgestellt werden können, sind die langen Beine doch öfter mal im Weg.

Ich hab mir für solche Fälle das TT-15 Mark 2 zugelegt. Das ist wirklich sehr klein und sehr leicht, trägt dabei trotzdem ordentlich Gewicht. Dazu ist es viel praktischer zu transportieren. Ja, ich bin echt ein Fan von dem Zwerg.

Makro mit Stativ
bodennahes Arbeiten dank umklappbarer Stativbeine

Der Aufbau mit Manfrotto Getriebeneiger und Makroschlitten ist tatsächlich nicht gerade winzig, mit einem Kugelkopf käme ich bestimmt noch weiter runter. Andererseits möchte ich auf die Präzision beim Einstellen des Bildausschnitts, die mir der Neiger ermöglicht,  nicht verzichten.

Hier kommt es vor allem auf deine Vorlieben an.

Der Bohnensack als Stativ – eine nützliche Ergänzung

Ein Bohnensack ist eine Investition, die sich auf jeden Fall lohnt, gerade für Makroaufnahmen. Wenn du Lust hast kannst du dir so ein Teil auch selbst basteln. Ich habe mich allerdings dafür entschieden einen zu kaufen. Die Körnigkeit der Füllung ist ideal um die Kamera auszurichten und das Material lässt sich gut reinigen. Immerhin liegt das Teil recht oft im Dreck. Das war mir die Sache dann durchaus wert.

Mit dem Bohnensack kommst du außerdem richtig weit nach unten. Dazu ist der Sack klein und handlich, sodass du ihn immer dabei hast, auch wenn du mal kein Stativ schleppen willst oder kannst.

Das Ausrichten der Kamera ist auch nicht so schwierig, wenn man sich mal daran gewöhnt hat. Einfach so lange zurechtdrücken und zupfen bis der Bildausschnitt passt. Gegebenenfalls falten, damit das Objektiv gerade oder etwas nach oben schaut. Klappt super.

Bohnensack als Makro Stativ
Makroaufnahme vom Bohnensack aus im Hochformat

Mein Marienkäfer-Shooting habe ich zum Beispiel vom Bohnensack aus gemacht.

Und wenn du mal aus der Hand oder vom Stativ fotografierst eignet sich das Teil auch sehr gut zum Abstützen.

Nochmal zusammengefasst

Du siehst es gibt eine ganze Menge an Möglichkeiten. Du kannst dir ein Spezialstativ besorgen, das für Makrofotos bestens geeignet ist. Wenn du allerdings mal für andere Fotos ein Stativ brauchst hast du damit vielleicht nicht so viel Spaß. Ein Allrounder ist hingegen wahrscheinlich etwas teurer.

Zum Preis generell kann ich nur raten nicht zu sparsam zu sein. Gute Qualität hat einen gewissen Preis und ein gutes Stativ für weniger als hundert Euro gibt’s einfach nicht (mal abgesehen von den Tischstativen).

Es muss ja nicht gleich ein Gitzo-Stativ sein, zumal Gitzo und Manfrotto zum selben Unternehmen gehören. Ich habe mit den Feisol-Stativen bisher gute Erfahrungen gemacht. Feisol produziert aber „nur“ Carbonstative. Gute gehört habe ich aber auch schon von Sirui, Benro oder Vanguard.

Schau dir die verschiedenen Stative gut an und überleg dir wofür du es am Ende verwenden willst. Sei mit der Traglast nicht zu knauserig, wobei hier normalerweise der Stativkopf der begrenzende Faktor ist.

Was sind deine Erfahrungen mit Stativen allgemein und in der Makrofotografie? Erzähl mir davon in den Kommentaren.

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