Testbericht Canon EOS 6D

Nachdem ich jetzt doch schon einige Bilder mit der EOS 6D gemacht habe wird es langsam mal Zeit ein paar Worte darüber zu verlieren, wie sich das Teil so schlägt.

Haptik & Bedienung

Gehäuse und Bedienkonzept sind ja der EOS 60D nachempfunden, da ich dieses Modell nicht zur Verfügung habe kann ich dazu leider nichts sagen. Vergleiche werde ich also zur EOS 7D und der 450D ziehen. Was da zuerst auffällt ist das Gewicht, obwohl Canons 6D nur etwas kleiner ist als die 7D liegt sie spürbar leichter in der Hand. Gefällt mir gut.

Canon EOS 6D Rück-Ansicht
Rückansicht der EOS 6D mit Bedienelementen, dem 3 Zoll Display und dem optischen Sucher

Die Bedienelemente auf der Rückseite sind, abgesehen von Menü- und Infobutton, nach rechts gewandert, sodass man alle bequem mit dem rechten Daumen erreichen kann und links wahrscheinlich etwas Platz eingespart hat. Den kleinen Joystick zum Navigieren durch’s Menü und Auswählen der Autofokusfelder gibt es an der EOS 6D nicht, dafür einen Wippschalter im Daumenrad. Dieser lässt sich gut bedienen, trotzdem würde ich dem Joystick klar den Vorzug geben.

Auf der Oberseite befindet sich wie gewohnt links das Wahlrad für die verschiedenen Kameramodi, das jetzt gegen versehentliches Verstellen gesichert ist, da man zum Drehen den Knopf in der Mitte des Rades nach unten drücken muss. Diesen Mechanismus kann man an der EOS 7D und der 5D Mark II beim Canon Service nachrüsten lassen. Nicht ganz billig übrigens… An Modi bringt die 6D das übliche mit. Die Vollautomatiken mal außen vor gelassen (keine Ahnung was die an so einer Kamera verloren haben), gibt es die üblichen verdächtigen wie Av, Tv oder M. Wie ein den “größeren Kameras” üblich bekommt der für Langzeitbelichtungen benötigte Bulb-Modus ein eigenes Plätzchen auf dem Wahlrad.

Auf der rechten Seite, oberhalb des kleinen Displays befinden sich jetzt zwar mehr Knöpfe als noch bei der EOS 7D, leider sind diese nicht mehr doppelt belegt, sodass man hier insgesamt weniger Funktionen ansteuern kann. Dazu kommt noch, dass hier ausgerechnet die Weißabgleich-Option nicht mehr dabei ist, die ich jetzt jedesmal umständlich über die Q-Taste aufrufen muss. Klar kann man das im RAW-Konverter nachträglich noch anpassen aber spätestens, wenn man die Video-Funktion nutzt geht das nicht mehr. Zumindest nicht von Haus aus.

Canon EOS 6D Top Ansicht
EOS 6D von oben mit dem Zusatz-Display, weiteren Bedienelementen und dem Blitzschuh

Sensor

Der Chip der EOS 6D ist einwandfrei. Farben, Dynamikumfang und Rauschverhalten sind super liefern mir keinen Grund mich zu beschweren. Auch die Auflösung von 20,2 Megapixeln auf einem Vollformat- oder besser gesagt Kleinbild-Sensor sagt mir sehr zu. Wenn man bedenkt, dass die aktuell verbaute APS-C Sensoren von Canon mit 18 Megapixeln und mehr daherkommen. Zu viele Worte über Sinn und Unsinn solch hoher Auflösungen will ich jetzt aber nicht verlieren, hier stimmt das Verhältnis für mich jedenfalls.

Optischer Sucher

Der Sucher der 6D ist gewohnt hell und groß. Canon hat der DSLR zwar keinen 100%-Sucher spendiert aber das stört mich jetzt auch nicht wirklich. Was ich ein wenig vermisse sind die Gitternetzlinien, die bei der 7D einblendbar sind und wirklich helfen die Kamera gerade auszurichten, hierfür müsste man bei der EOS 6D die Mattscheibe tauschen. Es ist zwar vorgesehen, dass das durch den Benutzer selbst erledigt werden kann, allerdings habe ich mich da noch nicht rangewagt, denn so schmerzlich vermisse ich die Funktion nicht, dass es mir den Aufwand wert wäre. Vielleicht irgendwann einmal.

Autofokus

Der Autofokus ist etwas, sagen wir mal, speziell. Von den 11 Autofokus-Feldern, die allesamt ziemlich zentral liegen, ist nur der mittige ein Kreuzsensor. Folglich kann das Fokussieren mit den übrigen etwas frustrierend sein, besonders wenn man die 19 Kreuzsensoren der EOS 7D gewohnt ist. Glücklicherweise kann man auch problemlos über den Live-View scharf stellen. Für actionreiche Aufnahmen ist die 6D folglich weniger geeignet. Wie gut sich der eine Kreuzsensor bei bewegten Motiven und im Servo-AF schlägt konnte ich noch nicht ausgiebig genug testen.

Auf alle Fälle ist das ein Punkt, den man vor dem Kauf unbedingt ins Auge fassen sollte, denn eine deutliche Verbesserung gegenüber Einsteiger-DSLRs oder auch einer EOS 5D Mark II wird man hier wohl nicht feststellen.

W-LAN – EOS Remote App

Zugegeben auf die W-LAN-Funktionen der Kamera war ich ja schon gespannt, immerhin hatte Canon dafür extra eine eigene EOS Remote App an den Start gebracht. Die funktioniert auf Android und iOS. Die App ist für Smartphone-Displays ausgelegt und wird auf Tablets entsprechend einfach größer skaliert.

Eine Verbindung zwischen Kamera und App herzustellen bekam ich intuitiv hin. Ich lasse die Kamera ein eigenes W-LAN-Netzwerk aufbauen, in das ich mich dann mit dem Tablet oder Smartphone einlogge. Der Zugangs-Schlüssel wird von der Kamera im Display angezeigt.

Dann kann ich aus der App heraus die Aufnahme-Einstellungen verändern, auslösen und so weiter. Die meisten Funktionen sind ganz nett, manche eindeutig noch verbesserungswürdig und einige eigentlich logische Funktionen fehlen. Zu detailiert möchte ich an dieser Stelle aber nicht auf die App eingehen.

Ein wirklich cooles und brauchbares Feature ist aber die Übertragung des Live-View auf das Smartphone oder Tablet. Gerade wenn ihr alleine ein Bild aufbaut, Lampen verteilt oder sonst etwas stückchenweise im Bild verändern wollt ist diese Funktion Gold wert. Denn ihr könnt einfach im Bild stehen bleiben und Veränderungen vornehmen, die ihr minimal verzögert aus Kamerasicht sehen könnt. Ein gutes Beispiel ist meine Photon – Wald II Serie, schaut die Bilder mal an, dann versteht ihr, was ich meine. Mit der Reichweite des W-LANs hatte ich bisher keine Probleme.

Das Einloggen in ein bestehendes W-LAN Netzwerk ist leider nicht selbsterklärend, hier sollte man auf die beiliegende Anleitung zurückgreifen (Achtung: Die Anleitungen sind nicht alle in Papierform dabei, sondern befinden sich auf der beigelegten Canon CD). Das funktioniert dann recht gut. Leider unterstützt Lightroom noch immer keine per W-LAN verbundenen Kameras, sodass man hier gezwungen ist auf die EOS Utility Software zurückzugreifen. Die Fernsteuerung funktioniert problemlos, wobei das Livebild verständlicherweise beim Bewegen der Kamera alles andere als flüssig ist. Die Übertragung von RAWs könnte auch etwas schneller sein.

So ausgiebig wie die EOS Remote App habe ich dieses Feature bisher nicht genutzt.

Canon EOS 6D Front-Ansicht
EOS 6D von vorne

Aufgenommene Bilder werden, wenn entsprechend eingestellt, zuverlässig auf den Rechner übertragen, wobei das Senden eines RAW Bildes einen Augenblick dauert. Wer den Monitor zur direkten Bildkontrolle nutzen möchte sollte die Kamera auf RAW+JPG einstellen und in den Übetragungsoptionen der EOS Utility nur das JPG zum Rechner schicken. Hier nicht vergessen die Sotware  Bilder auf der Kamera und dem Rechner speichern zu lassen.

Die EOS Remote App wirkt leider noch etwas unfertig und ist auch nur für Smartphones verfügbar, wobei sie auf Tablets natürlich läuft aber eben nur in Smartphoneauflösung. Die Fernsteuerung funktioniert hierbei wirklich gut, nur muss man leider zum Betrachten der Bilder immer ein Menü zurück und in ein anderes rein. Zudem laden die Bilder auch immer einen Moment bevor sie angezeigt werden.

GPS

Das GPS-Modul hatte ich nur ein paar Mal bei kurzen Trips zum Testen eingeschaltet. Wenn man nicht grade im tiefsten Wald steht oder sonst irgendwie eingemauert ist stellt es die Verbindung recht zuverlässig her, mal schneller mal etwas langsamer und versieht die Bilder dann mit entsprechenden Koordinaten. Man sollte die Funktion aber besser frühzeitig aktivieren.

Fazit

Die Canon EOS 6D ist eine tolle Kamera, es macht richtig Spass damit zu fotografieren. Der Unterschied zu APS-C Kameras wird einem anfangs sicher überraschend und vielleicht etwas ungewohnt erscheinen, da die Brennweiten jetzt plötzlich einen völlig anderen Bildwinkel haben und, das ist zumindest mein Eindruck, der Schärfebereich bei weit geöffneten Blenden merklich geringer ausfällt, sodass man noch mehr auf den Fokus achten muss. Hat man sich erstmal darauf eingestellt will man das Teil nicht mehr hergeben.

Wer natürlich viel bewegte Motive fotografiert sollte lieber entweder zur 7D oder zur 5D Mark III greifen, die 6D ist ein etwas gemächlicherer Zeitgenosse, der den anderen DSLRs aus dem Hause Canon in Sachen Qualität in nichts nachsteht.

Der Preis ändert sich mit der Zeit natürlich immer wieder, weshalb ich den hier gar nicht erst hinschreibe, sondern einfach auf Amazon verlinke.

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