Blende, ISO und Belichtungszeit- was ist das eigentlich?

Blende, ISO und Belichtungszeit. Das sind die drei Dinge, die nicht ganz unwichtig sind, wenn du ein vernünftig belichtetes Bild machen willst. Oder besser gesagt: Ohne die drei geht’s nicht.

Diese drei Werte legen fest wie viel oder wenig Licht auf den Sensor fällt, wenn du ein Foto machst. Ist es zu wenig, wird dein Bild ziemlich dunkel oder sogar schwarz. Zu viel macht das Bild zu hell und lässt es teilweise oder sogar komplett weiß werden.

Können wir beides nicht wirklich gebrauchen, denn man soll auf dem Foto ja was erkennen können. Oder?

Oben im Video erkläre ich was hinter den drei Begriffen steckt und veranschauliche das an einem Beispiel. Wenn du also noch wenig mit Blende, ISO und Belichtungszeit anfangen kannst, dann schau dir das Video am besten zuerst an. Danach kannst du den Text nochmal durchlesen. Zur Wiederholung sozusagen 😉

Außerdem gehe ich im Text noch etwas ausführlicher auf die sonstigen Eigenheiten jedes einzelnen Parameters ein. Während alle drei für die korrekte Belichtung verantwortlich sind, hat jeder noch seine ganz eigenen Auswirkungen auf das Foto.

Belichtungszeit – was ist das?

Belichtungszeit ist die Zeit während der belichtet wird.

Hast du dir fast schon gedacht, oder?

Aber was heißt das genau?

Normalerweise ist der Spiegel (bei DSLRs zumindest) nach unten geklappt, damit du durch den Sucher was sehen kannst. Außerdem ist hinter dem Spiegel nochmal ein Verschluss, der verhindert, dass Licht auf den Sensor fällt.

Während der Belichtung klappt der Spiegel nach oben. Das ist der Moment wo es im Sucher kurz dunkel wird. Der Verschluss geht auf und das Bild, das du vorher noch durch den Sucher gesehen hast, fällt jetzt auf den Sensor der Kamera und wird auf die Speicherkarte gebannt.

Wie lange der Verschluss offen bleibt, hängt von der eingestellten Belichtungszeit ab. In den allermeisten Fällen sprechen wir hier von Sekundenbruchteilen. Dementsprechend wird die Belichtungszeit zum Beispiel so angegeben: 1/4,  1/30 oder 1/200. Sprich: Eine Viertel(sekunde), eine Dreißigstel(sekunde) oder eine Zweihundertstel(sekunde).

Die allermeisten Kameras schaffen 1/4000 als kürzeste Zeit. Die etwas „größeren“ Modelle sogar 1/8000. Klingt verdammt schnell, oder? Mit einem lichtstarken Objektiv (klären wir gleich, was das heißt) bei strahlendem Sonnenschein kann auch das schonmal grenzwertig werden.

Natürlich geht das auch in die andere Richtung. Bei Nacht sind Belichtungszeiten von mehreren Sekunden oft nicht zu vermeiden. Solche Langzeitbelichtungen kannst du auch gezielt mit Graufiltern erzwingen um bestimmte Effekte wie nebliges Wasser zu erzielen. Bei vielen Kameras beträgt das Maximum übrigens 30 Sekunden. Willst du länger belichten, musst du den „Bulb“-Modus nutzen. Hier musst du den Auslöser so lange gedrückt halten wie du belichten willst.

nebliges Wasser durch lange Belichtungszeit
Eine lange Belichtungszeit von 10 Sekunden lässt das Wasser neblig erscheinen

Je länger die Belichtungszeiten werden, desto schwieriger wird es übrigens ein scharfes Bild zu bekommen, wenn du die Kamera in der Hand hälst. Du kannst dir sicher vorstellen, dass es unmöglich ist die Kamera über mehrere Sekunden lang absolut ruhig zu halten.

Tatsächlich bekommst du es mit solchen Verwacklungsunschärfen schon sehr viel früher zu tun. Spätestens wenn du beim Auslösen zwei Klack-Geräusche hörst, eins wenn der Spiegel hochklappt und eins, wenn er wieder nach unten geht, wird’s kritisch. Je nach Objektiv und Fotograf kann es aber auch schon viel früher zu Verwacklern kommen.

In solchen Fällen muss ein Stativ her oder zumindest solltest du die Kamera versuchen irgendwo abzustützen oder abzulegen.

Blende – was ist das?

Mit der Blende kannst du die Öffnung des Objektivs verändern (das „Loch“, wo du durchguckst). Sie besteht aus mehreren Lamellen, die mehr oder weniger weit geschlossen werden können. So fällt entsprechend mehr oder weniger Licht durch’s Objektiv auf den Sensor.

Während die Belichtungszeit noch ganz handlich in Sekundenbruchteilen angegeben wird, ist das bei der Blende schon etwas anders. Hier findest du dann Werte wie f/2, f/4 oder f/8. Gerne auch mal sowas wie f/2,8. Gelesen wird das dann einfach als „Blende 2,8“.

Je kleiner diese Zahl (jetzt wird’s kurios) desto größer ist die Öffnung des Objektivs. Es fällt also mehr Licht in die Kamera als bei einer größeren Zahl.

Der kleinstmögliche Blendenwert (also die größte Öffnung) nennt man Offenblende. Objektive mit besonders großen Offenblende bezeichnet man auch als „lichtstark“. Es geht also viel Licht durch solche Linsen durch.

Bei Objektiven mit variabler Brennweite (Zoomobjektive) fällt f/2,8 schon unter lichtstark. Bei Festbrennweiten ist das eher die obere Grenze. Eine Ausnahme sind hier Teleobjektive jenseits der 200mm.

Mit der Blende hast du also eine weitere Möglichkeit die Lichtmenge zu beeinflussen um ein vernünftig belichtetes Foto zu bekommen.

Gibt’s einen Haken?

Klar gibt’s den 😉

Je weiter du die Blende öffnest (also je kleiner der Wert), desto geringer wird der Schärfebereich im Bild. Ganz wichtig: Das hat erstmal nichts mit der Gesamtschärfe beziehungsweise der Bildqualität des Fotos zu tun (dazu gleich).

Du kennst das sicher von Portraits oder Nahaufnahmen wo der Hintergrund ziemlich verschwommen ist. Mit der Wahl der Blende kannst du die Grenze zwischen scharfen und unscharfen Bereichen beeinflussen. Zur Schärfentiefe und wie sie entsteht habe ich einen extra Blogartikel geschrieben.

Blende bestimmt die Schärfentiefe im Bild
Der Hintergrund ist schön unscharf, die Pilze im Vordergrund scharf

Ein weiterer Effekt: Beim Abblenden nimmt nicht nur der Schärfebereich zu. Auch die Bildqualität wird besser. Farbsäume an Kanten und Abdunklungen in den Ecken werden weniger. Und auch die Gesamtschärfe wird besser. Allerdings nicht unbegrenzt. Je nach Objektiv hört dieser Effekt irgendwo zwischen f/5,6 und f/11 auf. Bei noch größeren Werten nimmt die Gesamtschärfe sogar wieder ab während der Schärfebereich sich aber weiter vergrößert. Deshalb ist es auch ganz wichtig, diese beiden Dinge nicht durcheinander zu werfen.

Mehr zum Thema Blende und Bildqualität kannst du im Abschnitt „Ideale Blende“ im Artikel zu Kameraeinstellungen für Makrofotos nachlesen

ISO Empfindlichkeit – was ist das?

Die Bezeichnung ISO gab es auch schon bei analogen Kameras. Gemeint war damit wie empfindlich der Film auf Licht reagiert. Je höher der Wert, desto empfindlicher der Film.

Bei digitalen Kameras verhält sich das genauso. Das Signal wird abhängig von der eingestellten Empfindlichkeit verstärkt.

Die ISO-Angaben sind wieder relativ unkompliziert. Meistens geht es bei ISO 100 los und der Wert verdoppelt sich einfach. Also ISO 200, ISO 400, ISO 800 und so weiter.Verdoppelst du den Wert, wird das Foto doppelt so hell.

Je nach Einstellung und Kameramodell gibt es dann noch halbe oder Drittelstufen. Das aber nur am Rande.

Und jetzt kommt, wär hätte das gedacht, der Haken an der Sache.

Eigentlich klingt es ja auch zu gut um wahr zu sein. Ich regel einfach die ISO hoch oder runter und kann als Blende und Belichtungszeit einstellen was ich gerade brauche.

Schön wär’s…

Das Problem: Je höher du die ISO drehst, desto stärker wird das Rauschen im Bild.

Nein, Rauschen kann man bei Bildern nicht höre 😉

Gemeint sind einzelne Pixel, die eigentlich eine homogene Farbfläche bilden sollten, tatsächlich aber in Helligkeit (Luminanzrauschen) und Farbe (Farbrauschen) abweichen. So wird das Bild grieselig und nicht mehr so scharf. Die Bildqualität leidet.

Farbrauschen lässt sich noch ganz gut in der Nachbearbeitung korrigieren, beim Luminanzrauschen ist irgendwann Schluss. Denn je stärker die Korrektur, desto matschiger wird das Bild.

Wie stark das Rauschen ausfällt hängt nicht nur von der eingestellten ISO ab, sondern auch vom jeweiligen Kameramodell. Sensoren im Kleinbild- beziehungsweise Vollformat rauschen tendenziell weniger, weil sie größer sind und damit auch die einzelnen Pixel auf dem Chip. Auch lange Belichtungszeiten von mehreren Sekunden verursachen stärkeres Rauschen.

Entscheidend ist aber meistens der ISO-Wert.

Blende, ISO oder Belichtungszeit – welchen Wert verändere ich denn nun am besten?

Du siehst, alles hat seine Vor- und Nachteile.

Mit kurzen Belichtungszeiten kannst du Bewegungen einfrieren, mit langen bewusst Unschärfe erzeugen. Manchmal sind lange Belichtungszeiten auch unumgänglich, weil es einfach zu dunkel ist.

Mit einer geschlossenen Blende vergrößerst du den Schärfebereich, verlierst aber gleichzeitig Licht, was du mit einer längeren Verschlusszeit oder höherer ISO ausgleichen musst. Wird die Zeit zu lang, kann das Bild verwackeln. Wird die ISO zu hoch wird das Rauschen zu stark. Und so weiter.

Eine perfekte Lösung gibt es selten. Deine Aufgabe wird also immer sein den bestmöglichen Kompromiss aus diesen drei Werten zu finden. Es gibt auch keine perfekten Werte. Es hängt immer von deinem Motiv, deiner Kamera und deinem Objektiv ab.

Da hilft nur viele Fotos machen um deine Ausrüstung gut kennen zu lernen. Du wirst merken ab welchem ISO-Wert dir das Rauschen zu stark wird. Ab welcher Blende die Bilder an Schärfe verlieren.

Es kann, gerade am Anfang, schwierig sein drei Parameter gleichzeitig im Auge zu behalten. Der Automatik der Kamera diese Entscheidung zu überlassen, ist aber auch keine Option, weil sich jeder Parameter noch auf andere Art und Weise auf das Bild auswirkt.

Woher soll die Kamera wissen ob du mehr Schärfentiefe brauchst oder weniger?

Zum Glück gibt’s mit den sogenannten Halbautomatiken eine gute Lösung für dieses Problem. Wie die funktinieren erfährst du im Artikel Kameramodi.

Hast du noch Fragen zu Blende, ISo oder Belichtungszeit? Schreib sie mir unten in die Kommentare!

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2 Gedanken zu “Blende, ISO und Belichtungszeit- was ist das eigentlich?”

    1. Da hast du natürlich Recht, Ralf. Aber da die Brennweite erstmal nix mit der Belichtung zu tun hat, spare ich mir das für einen extra Beitrag auf. Würde auch bisschen viel werden dann.

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