Die Evolutionsgeschichte eines Fotografen

Einer der Meilensteine in der Evolution ist ganz sicher der Einsatz von Werkzeugen. Ich will nicht sagen, dass das den Menschen vom Tier unterscheidet, denn da gibt’s schon ein paar Gegenbeispiele. Aber irgendwie muss ich ja jetzt die Kurve kriegen zum eigentlichen Thema 😉

Es geht nämlich um DAS Werkzeug eines jeden Fotografen – die Kamera. Ich selbst hab mir letzten Sommer (mal wieder) eine neue Kamera gekauft. So weit, so unspektakulär. Aber es war eine gute Gelegenheit für einen kleinen Rückblick über die verschiedenen Kameras, die ich in den letzten Jahren so gekauft und genutzt habe. Und vor allem WARUM.

Ich kann das wirklich nur empfehlen mal zu schauen, was man in der ganzen Zeit so gekauft hat und was eigentlich die Gründe dafür waren. An meinen Erkenntnissen will ich dich heute mal teilhaben lassen. Vielleicht geht manch einem ja ein kleines Licht auf, so ein kurzer Aha-Moment.

Erinnerst du dich noch an deine erste Kamera? Meine allererste DSLR (und auch erste eigene Kamera) war die 450D von Canon. Hart zusammengespart. Ein richtiges Einsteigermodell. Drunter gab’s nix.

Die große Neuerung war da übrigens der Live-View.

Hat man einmal Blut geleckt, kommt man aus der Nummer nicht mehr raus. Es soll immer höher, weiter, schneller gehen.

Mehr Pixel, mehr Autofokus, mehr Kamera, mehr Alles.

Ging mir auch nicht anders. Das hatte nicht mal unbedingt etwas mit dem Wunsch nach „besseren“ Bildern zu tun. Denn dafür braucht man ja keine bessere Kamera. Kriegst du ja an jeder Ecke gesagt. Ob man das dann immer so glauben will, ist eine andere Sache.

Aber du willst natürlich auch wissen wie es ist. Das Gefühl mit einer „großen“ Kamera zu fotografieren. Das motiviert ja auch irgendwie, weshalb ich es auch absolut legitim finde, früher oder später ein Modell aus der höheren Klasse zu kaufen. So lange man sich (oder die Familie) nicht in den finanziellen Ruin treibt 😉

Ich bin ja der Meinung ein Hobby soll Spaß machen und wenn ich an einer neuen Kamera Spaß habe, dann ist das völlig egal ob ich die brauche oder nicht.

Seien wir mal ehrlich: Die zweite Kamera haben wir uns nicht gekauft, weil uns an der ersten irgendwas gefehlt hätte, oder?

Klar hab ich als ich zwei Jahre später die EOS 7D gekauft habe das auch vor mir selbst gerechtfertigt. Was das Ding alles besser kann und möglich macht. Damit konnte man Filmen und Actionfotos schießen (so richtig jetzt) und überhaupt.

Für alle, die nicht so sehr mit Canon vertraut sind: Die 7D war damals sozusagen die APS-C Variante des absoluten Profimodells von Canon. Ein fetter Autofokus, Serienbilder bis zum Abwinken, ein kugelsicheres Gehäuse, nur mit APS-C Sensor halt.

Rückblickend hab ich Video zweimal ernsthaft genutzt. Actionfotos? Ja, von unseren Hunden halt. Mit der 450D und dem 70-200mm waren die vorher aber auch schon gut. Die 7D hat nicht automatisch weniger Ausschuss produziert. Ganz im Gegenteil. Ich musste erstmal mit den ganzen neuen Funktionen klar kommen. Und hätte ich nicht vorher schon ich weiß nicht wie viele Bilder von unseren Hunden gemacht, dann hätte ich auch diese Erfahrungen noch machen müssen. Aber so ein bisschen hilft es schon.

In der Sahara oder in der Arktis, wo ich den abgedichteten Body tatsächlich gebraucht hätte, war ich übrigens auch nicht.

Hat sich der Kauf gelohnt?

Auf jeden Fall! Denn ich hab dadurch sehr viel gelernt.

Hätte ich dazu, rein technisch betrachtet, diese Kamera gebraucht?

Wohl kaum.

Meine Reise ins gelobte Land – Vollformat

Zwei Jahre später gab’s dann die 6D und machte Vollformat bezahlbar(er). Außer ein paar technischen Spielereien (WLAN, GPS) hatte die nicht mehr drauf als die olle 5D Mark 2, die vor dem Kauf der 7D auch zur Wahl stand. Von den Eckdaten (den Sensor mal außen vor gelassen) eher ein Rückschritt.

Aber ich war (vermeintlich) etwas „weiser“ geworden. Jetzt wusste ich, dass ich keinen supermodernen Autofokus brauchte. Ein ordentlicher Sensor und gut. Da ist Vollformat schon die richtige Wahl, denn eines hat sich nicht geändert: Je weniger dicht die Pixel auf den Sensor gequetscht werden, desto besser.

Weniger Rauschen, weniger hoch der Anspruch an die Objektive. Ds beantwortete für mich die Frage, ob ich auf Vollformat umsteigen soll.

Und ich muss sagen, Vollformat macht schon Spaß. Es ist anders, weil sich die bekannten Objektive plötzlich ganz anders anfühlen. Es bringt einen raus aus den Automatismen. Man muss mehr mitdenken. Mir persönlich gefällt auch, dass ich dadurch mehr Weitwinkel habe. Das kommt mir sehr entgegen. Trifft aber sicher nicht auf jeden zu.

Trotzdem ist es mir auch hier noch nie passiert, dass ich ein Foto gemacht habe wo ich sagen kann: Gut, dass ich da eine Vollformat-Kamera hatte. Bei einigen hätte ich mit APS-C sicher ein entsprechendes Weitwinkel gebraucht. Aber sonst?

Generell kann ich sagen, dass auch die 6D mit ihrem Kleinbild-Chip nicht überlebenswichtig war. Aber sie passt von ihren Funktionen und Features viel besser zu mir und meiner Art zu fotografieren. Vor zwei Jahren wäre mir das noch nicht so klar geworden. Ob es mir, als ich die 6D gekauft habe, klar war, weiß ich auch nicht so genau.

Fortschritt durch Rückschritt

Kommen wir jetzt (wird auch Zeit) zu meinem anfänglichen Aufhänger: Meine neueste Kamera. Das ist nämlich kein noch „größeres“ Profimodell á la 5D Mark irgendwas oder 1DX. Es ist eine EOS 200D und die ist im Sortiment von Canon etwa da platziert wo es einmal die 450D war.

Hä?

Wozu das jetzt?

Nein, ich will hier nichts beweisen oder so. Die Gründe sind hier tatsächlich recht pragmatisch.

Ich hatte viel in Richtung Makrofotografie gemacht und wollte auch anfangen ein paar Videotutorials aufzunehmen mit mir vor der Kamera.

Das ging mit meiner bisherigen Ausstattung zwar auch (irgendwie), war aber nicht wirklich praktisch.

Makrofotos macht man ja oft in Bodennähe. Oder etwas treffender formuliert: Du liegst ziemlich viel im Dreck, wenn du durch den Sucher oder auf’s Display gucken willst. Ein Klappdisplay wäre da schon schön.

Bei den Videos genauso. Es ist einfach schwierig zu sehen an welcher Stelle du grade im Bild stehst, wenn das Display auf der Rückseite ist. Außerdem gibt’s bei Canon ein nettes Feature namens DualPixel Autofokus. Dadurch wird der Autofokus im Liveview sehr viel schneller und mit der Gesichtserkennung behält die Kamera mich die ganze Zeit im Fokus.

Klar, das ist nicht die Profilösung für Produktionen á la Hollywood, aber für mich funktioniert’s einwandfrei. Sowohl für Makro als auch für Video. Und darum geht’s.

Ich hab also geschaut welche Kamera diese Features hatte und hab die günstigste gekauft. Ein kleines bisschen stolz bin ich ja schon, dass ich so eine objektive Kaufentscheidung getroffen habe. Mal sehen ob ich das in zwei Jahren noch genauso sehe.

Fazit

Was will ich mit dieser Abhandlung sagen?

Berechtigte Frage.

Der Fotograf macht das Bild und nicht die Kamera?

Jein, das wäre allein etwas platt, oder?

Außerdem trifft es den Punkt nicht. Denn der Spruch kommt immer, wenn sich jemand eine neue Kamera kaufen will und andere um Rat fragt. Bedeutet dann im Grunde nur: Nein kauf dir keine Kamera, mach erstmal gescheite Bilder.

Aber Fotografieren lernst du halt nur durch Übung. Und wenn ich mit einer neuen Kamera mehr Spaß dran hab und mehr übe, dann liefert die neue Kamera am Ende doch die besseren Bilder 😉

Ein wenig paradox ist das schon. Aber ich glaube diese Stationen machen viele durch, die so richtig in die Fotografie einsteigen.

Am Ende kommt es tatsächlich nicht auf die Kamera an. Aber erlaubt ist was Spaß macht und mit allem, was du ausprobierst, lernst du mehr über deine Art zu fotografieren. Was dir liegt und was nicht.

Vielleicht kannst du ja aus meinen „Fehlern“ eine Kleinigkeit mitnehmen und musst nicht jeden einzelnen selbst machen. Dann hätte ich mein Ziel schon erreicht.

Und jetzt will ich natürlich auch deine Erfahrungen mit Kamerakäufen und so weiter lesen. Immer her damit!

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