3 goldene Regeln um Bewegung auf Fotos einzufrieren

Während du mit Langzeitbelichtungen und dem Einsatz von Graufiltern versuchst (unscheinbare) Bewegungen im Foto sichtbar zu machen, gibt es logischerweise auch den umgekehrten Fall: Nämlich (viel) Bewegung aus dem Foto rauszunehmen und das Motiv (scheinbar) „einzufrieren“.

Eigentlich bin ich gar nicht so der Typ für „hektische“ Fotografie. Wo alles schnell geht und gehen muss. Es kommt aber schon mal vor. Vor allem Hunde in Action fotografiere ich dann doch gerne. Wenn du da alles richtig machst und die Bewegung im passenden Moment einfrierst, entstehen spanungsvolle, dynamische und auch lustige Motive.

Damit dir das (häufiger) gelingt gibt es hier meine 3 goldenen Regeln zum Einfrieren von Bewegung:

Bewegung einfrieren mit der richtigen Verschlusszeit

Der „Gefriervorgang“ beim Fotografieren steht und fällt mit der Belichtungszeit. Die muss ausreichend kurz sein, damit keine Unschärfe im Bild entsteht.

Jetzt könnte man natürlich ganz pragmatisch an die Sachen rangehen: Kamera auf Tv stellen (in diesem Modus kannst du die Belichtungszeit und, wenn du willst, die ISO, selbst festlegen und die Automatik der Kamera regelt den Rest), die kürzeste Zeit, die geht einstellen und ab dafür.

Kann man machen und wird unter perfekten Lichtbedingungen auch funktionieren. Aber, du hast es sicher schon beim Lesen bemerkt, wann ist schon einmal etwas „perfekt“?

Dieser Fall kann tatsächlich mal eintreten, überwiegen werden aber weniger perfekte Bedingungen. Du musst also meistens Kompromisse eingehen. Für die kürzest mögliche Verschlusszeit also die ISO extrem hochdrehen und die Blende möglichst weit aufreißen.

Zur Blende kommen wir gleich nochmal, ISO aufdrehen führt irgenfwann zu unschönem Rauschen. Und das will echt keiner.

Bewegegung auf Foto einfrieren
1/1250 Sek bei f/4 und ISO 200

Zum Glück ist es in den meisten Fällen auch gar nicht notwendig mit 1/4000 oder einer 1/8000 Sekunde (in der Regel sind das die kürzest möglichen Zeiten) zu fotografieren.

Für jedes Motiv gibt es eine Belichtungszeit, die du nicht unterschreiten darfst, wenn du die Bewegung einfrieren willst.

Welche das ist, hängt natürlich vom Motiv ab. Allein schon wenn du Wasser fotografieren willst, können ganz unterschiedliche Zeiten notwendig sein. Abhängig davon wie schnell das Gewässer eben fließt. Nicht anders ist es bei Hunden oder anderen Tieren. Es kommt auf die Art an, die Rasse und natürlich auf das Tier selbst.

Hier hilft nur Testen und Recherchieren. Recherchieren aber auch nur bis zu einem gewissen Punkt.

Du kannst dir auf Fotocommunities, sozialen Netzwerken und so Fotos von ähnlichen Motiven suchen und schauen, ob der Fotograf die Metadaten (also Verschlusszeit, Blende, ISO und so weiter) angegeben hat.

Damit bekommst du aber nur einen groben Richtwert. Denn ob wir das Bild am Ende als scharf wahrnehmen oder nicht, hängt noch von mehr ab. Vor allem die Größe beziehungsweise Auflösung spielt hier eine wichtige Rolle.

Bewegung und Wassertropfen sind im Foto eingefroren
1/3200 Sek. bei f/3,2 und ISO 100 – hier hätte ich sogar noch etwas abblenden können

Du kennst das sicher, dass ein Foto auf dem Display der Kamera gestochen scharf daherkommt und später am Computer auf dem großen Bildschirm doch unscharf ist. Das liegt daran, dass beim Runterskalieren Details (Pixel) verloren gehen.

Bei der Beurteilung der Schärfe musst du dir also auch immer vor Augen halten, was du mit dem Foto machen willst. Für einen großformatigen Fineart-Druck muss es eben schon schärfer sein als für ein Foto, das du auf Facebook posten willst.

Klar, man kann das gar nicht immer genau sagen, ob man ein Foto später mal drucken will oder nur online stellt. Da musst du dann entscheiden: Löschen oder so markieren, dass du auch Monate später gleich siehst, wofür das Bild taugt und wofür nicht.

Ich persönlich lösche Bilder, die qualitativ nicht für einen 60×40 Druck taugen. Ausgenommen natürlich solche, die nur für’s Web sind. Solche Fotos mache ich tatsächlich auch.

Eine wichtige Sache noch: Sei vorsichtig bei der Beurteilung eines Bildes in der 100% Ansicht. Das funktioniert nur, wenn die Fotos immer die gleiche Auflösung haben! Bei einem Foto mit 24 Megapixeln bist du bei 100% deutlich näher dran, als bei 12 Megapixeln. Folglich findest du bei höheren Auflösungen Unschärfen, die du bei geringeren gar nicht sehen kannst.

Bewegung im Sprung eingefroren
1/1250 Sek. bei f/3,5 und ISO 200

Die richtigen Kameraeinstellung zum Einfrieren

Die passende Verschlusszeit haben wir gefunden.

Und sonst so?

Natürlich gibt’s noch mehr was hilft:

Als Kameramodus wäre Tv naheliegend und auch nicht verkehrt. Ich nehme trotzdem lieber Av, denn ich finde, dass eine falsch gewählte Blende mehr kaputt machen kann.

Wenn ich beispielsweise zusätzlich eine schöne Freistellung haben möchte, darf ich nicht zu weit abblenden. Eine zu weit geschlossene Blende mindert sogar die Bildqualität durch Beugungsunschärfen.

Deshalb stelle ich in der Regel Blende und ISO so ein, dass ich auf jeden Fall auf die benötigte Zeit komme. Ob es dann 1/800 oder 1/1000 ist, das macht dann keinen Unterschied mehr.

Auch eine Möglichkeit, wenn du Blende und Belichtungszeit fest einstellen willst, ist der manuelle Modus. Denn unabhängig davon kannst du die ISO trotzdem auf automatisch setzen. In manchen Fällen ist das echt hilfreich.

eingefrorene Bewegung mit Weitwinkelobjektiv
1/320 Sek. bei f/4 und ISO 400 – Bewegung einfrieren funktioniert auch mit Weitwinkelobjektiv

Aber aufpassen: Du darfst die Werte nicht auf Basis von ISO 100 festlegen. Denn so hat die Kamera keine Möglichkeit nach unten zu korrigieren, wenn plötzlich etwas mehr Licht da ist. ISO 400 als Basis halte ich für sinnvoll.

Abgesehen vom Kameramodus ist die Serienbildfunktion sehr hilfreich. Denn, gerade wenn es richtig schnell zugeht, den genau richtigen Moment zu erwischen ist echt nicht leicht.

Beim Autofokus ist ein nachgeführter AF auch nicht verkehrt, wenn Kamera und Objektiv leistungsfähig genug sind, das Tempo auch mitzugehen. Hier musst du, ähnlich wie bei der Belichtungszeit, ausprobieren.

Mit Blitz frierst du Bewegung anders ein

Setzt du einen Blitz ein, kannst du einen Großteil von dem, was ich dir bis hierhin erzählt habe, wieder vergessen. Denn dabei spielt weniger die Belichtungszeit eine tragende Rolle, sondern die Abbrennzeit des Blitzes.

Sobald ein Blitz im Spiel ist haben wir also zwei Zeit-Parameter, die eine Rolle spielen. Das Wieso ist eigentlich gar nicht schwer zu verstehen:

Überleg mal warum der Blitz „Blitz“ heißt.

Na?

eingeforerene Bewegung auf dem Foto
1/800 Sek. bei f/4 und ISO 400

Weil er blitzt. Er leuchtet nicht durchgehend wie eine Taschenlampe oder die Sonne, sondern blitzt nur kurz auf und ist dann schon wieder fertig. Wie lang der Blitz tatsächlich Licht abgibt nennt man „Abbrennzeit“.

Allgemein kann man sagen, je stärker der Blitz (also je mehr Licht er abgibt), desto länger die Abbrennzeit. Aufsteckblitze haben sehr kurze Abbrennzeiten, die sich im Bereich von 1/1000 Sekunde oder kürzer bewegen. Es gibt auch spezielle Studioblitzgeräte mit sehr kurzen Abbrennzeiten, aber das würde jetzt zu weit führen.

Zum Einfrieren von Bewegung machen wir uns die kurze Abbrennzeit zu nutze.

Sagen wir mal unsere Belichtungszeit beträgt 1/200 Sekunde und die Abbrennzeit unseres Blitzes liegt bei 1/1000. Wird ein Teil des Bildes nur vom Blitzlicht beleuchtet, ist der natürlich auch nur für 1/1000 Sekunde zu sehen und nicht die volle 1/200. Es ist also so, als würden wir bei Dauerlicht mit einer 1/1000 Sekunde fotografieren. Folglich ist der Einfrier-Effekt deutlich stärker.

Jetzt ist es natürlich nicht immer möglich das Umgebungslicht komplett auszusperren. Reduzieren geht aber fast immer und auch das hilft schon Bewegung besser einzufrieren. Ich nutze diese Technik zwar eher selten zum Einfrieren von Bewegung, aber in der Landschaftsfotografie mische ich auch mal Umgebungslicht mit Blitzlicht. Im dazugehörigen Video erkläre ich das Prinzip auch nochmal anschaulich.

Eine wichtige Sache darfst du dabei nicht außer Acht lassen: Die Blitzsynchronzeit.

Die kurze Verschlusszeit friert die Bewegung im Bild ein
1/640 Sek. bei f/2,8 und ISO 200

Was ist das jetzt wieder?

Vereinfacht gesagt ist das die Zeit, die die Kamera mindestens braucht um den Blitz auszulösen, nachdem du auf den Auslöser gedrückt hast. Das hat zur Folge, dass deine Belichtungszeit nicht kürzer sein darf als die Blitzsynchronzeit der Kamera. In der Regel liegt die bei 1/160 bis 1/250 Sekunde. Etwas genauer erkläre ich das im Artikel „So arbeite ich mit Blitzen„.

Alles klar?

Das waren die drei goldenen Regeln des Einfrierens. Wenn du Fragen oder zusätzliche Tipps und Tricks dazu hast, schreib sie mir gerne als Kommentar hier drunter. Ich freu mich drauf!

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