So arbeite ich mit Blitzen

Nun bin ich ja nicht gerade das, was man gerne auch als „Strobist“ bezeichnet. Also jemand, der viel mit Blitzen (vor allem Aufsteckblitzen) fotografiert. Als Experte würde ich mich auch nicht bezeichnen. Dafür müsste ich viel mehr Möglichkeiten und Funktionen nutzen.

Das heißt aber nicht, dass ich überhaupt keine zusätzlichen Lichtquellen einsetze. Deshalb zeige ich dir jetzt wann und wie ich Blitze beim Fotografieren nutze.

Welche Blitze nutze ich überhaupt?

Den technischen Part halte ich so kurz wie möglich. Ich habe einen Aufsteckblitz von Yongnuo. Der kann kein TTL oder sonstige Spielereien, sondern wird rein manuell stärker oder schwächer gedreht. Dazu habe ich noch einen ganzen Haufen alte Blitzgeräte, an denen man gar nichts regeln kann. Die kamen bei meiner Photon Serie zum Einsatz. Dazu gibt es übrigens auch zwei Videos. Im ersten erkläre ich wie man Blitzlicht und Umgebungslicht kombinieren kann. Im zweiten zeige ich die Bearbeitung des Bildes mit Lightroom.

Zum Auslösen benutze ich Yonguo Funkauslöser. Die neueren Yonguos haben so einen schon integriert, sodass du nur einen für auf die Kameras brauchst. Du kannst damit aber so ziemlich jedes Blitzgerät auslösen. Die Modelle, die ich habe, sind aber wie meine Blitze absolut simpel und können dem Gerät nur sagen „Jetzt sollst du blitzen.“ Mehr brauch ich nicht.

Bei der Stromversorgung schwöre ich, wie so viele, auf eneloop Akkus.

Wie setze ich Blitze ein?

Oben hab ich es schon angedeutet. Ich nutze kein TTL, sondern regele den Blitz von Hand. TTL steht übrigens für „through the lens“ und heißt im Grunde nur, dass die Stärke des Blitzes  von der Kamera geregelt wird. Finde ich ziemlich unsinnig. Woher soll denn die Kamera wissen was ich gerade machen will!?

Das funktioniert eigentlich nur, wenn es zu dunkel ist um Fotos zu machen und du einfach ein korrekt belichtetes Bild willst.

Jetzt will ich dir aber mal ein paar Situationen zeigen, wo ich mit Blitz fotografiere und erklären was ich warum wie eingestellt habe.

Lies die Beschreibungen nicht zu schnell. Wenn du etwas nicht verstehst, lies es nochmal bewusst und langsam. Gibt es dann immer noch Unklarheiten, schreib mir einfach am Ende einen Kommentar, damit ich das ergänzen kann.

Tageslicht komplett aussperren mit Blitzen

Eine Zeit lang hab ich Produktfotos für Onlineshops gemacht. Da will man natürlich, dass jedes Produkt gleich ausgeleuchtet ist. Du kannst dir sicher vorstellen, dass es da nicht hilfreich ist mit natürlichem Licht zu fotografieren.

Die Sonne ändert fortlaufend die Position. Außerdem wirft sie ein sehr hartes Licht, das entsprechend scharfkantige Schatten erzeugt. An bewölkten Tagen ist es auch nicht wirklich besser. Nur das Licht ist eben weicher.

Es muss also ein Blitz her und damit du nicht im Stockdunkeln fotografieren musst, kannst du das natürliche Licht einfach aussperren. Der Trick dahinter ist recht simpel:

Das Umgebungslicht (und dazu zählen wir auch mal die normale Raumbeleuchtung) leuchtet dauerhaft. Dadurch kommt zu jedem Zeitpunkt die (mehr oder weniger) gleiche Menge Licht durch’s Objektiv auf den Sensor. Je länger du also belichtest, desto mehr Licht kommt rein und das Bild wird umso heller.

Soweit klar?

Gut.

Produktfoto mit Blitzlicht
Dieses Foto wurde nur von zwei Blitzen mit Diffusor ausgeleuchtet

Beim Blitz ist das anders. Denn, der Name sagt’s ja schon, der blitzt. Leuchtet also nur einen kurzen Moment auf (dafür sehr hell) und gibt dann kein Licht mehr ab. Die Dauer dieses Aufleuchten nennt man „Abbrennzeit“. Die Abbrennzeit bei den kleinen Aufsteckblitzen ist in der Regel kürzer als 1/1000 Sekunde und genau das nutzen wir aus.

Wenn du Blende oder ISO veränderst beeinflusst das immer auch den Blitz. Ist auch logisch. Schließt du die Blende wird dadurch ein Teil des Lichts abgefangen und landet nicht auf dem Sensor. Völlig egal wo es herkommt. Bei der Empfindlichkeit ist es das Gleiche. Es ist egal woher das Licht kommt, der Sensor reagiert sensibler darauf.

Bei der Verschlusszeit ist es anders. Ob du jetzt 1/100 Sekunde oder 1/200 einstellst, ist dem Blitz völlig egal. Der leuchtet nur 1/1000 Sekunde und ist in beiden Fällen lange vor der Kamera fertig. Für das Umgebungslicht, das ja dauerhaft leuchtet, spielt es aber sehr wohl eine Rolle. Denn 1/100 ist doppelt so lang wie 1/200. Es fällt also doppelt so viel Umgebungslicht auf den Sensor.

Alles verstanden bis hier hin?

Ok. Wir stellen also Blende und ISO erstmal so ein, wie wir das gerne hätten. Also ISO 100 und Blende so, dass die Qualität passt. Das Ganze natürlich im manuellen Modus. Die Belichtungsmessung in der Kamera weiß ja nicht, dass da noch ein Blitz im Einsatz ist.

Danach machst du die Belichtungszeit so lange kürzer bis du bei ausgeschaltetem Blitz nur noch ein schwarzes Bild bekommst. Wen du jetzt den Blitz wieder einschaltest weißt du, dass alles, was du jetzt auf dem Foto sehen kannst, vom Blitzlicht beleuchtet wurde.

Leider, du hast es bestimmt geahnt, gibt es einen kleinen Haken. Aber wirklich nur einen kleinen.

Der Blitz muss von der Kamera ausgelöst werden. Ich krieg es jedenfalls nicht hin bei 1/200 Sekunde Belichtungszeit zuverlässig im richtigen Moment auf den Blitzknopf zu drücken 😉

Für diesen Auslösevorgang braucht die Kamera etwas Zeit. Wie lange sie braucht gibt die „Blitzsynchronzeit“ an. Das ist die kürzeste Belichtungszeit, die du einstellen kannst, in der die Kamera es noch schafft den Blitz zuverlässig auszulösen während der Verschluss offen ist.

Wählst du kürzere Zeiten blitzt es meistens, wenn der Verschluss schon wieder am Zugehen ist und das Blitzlicht trifft nur noch die Hälfte des Bildes. Und das sieht dann eher bescheiden aus.

Die Blitzsynchronzeit liegt bei Spiegelreflexkameras normalerweise zwischen 1/160 und 1/250 Sekunde.

Bei strahlendem Sonnenschein ist es da tatsächlich schwierig das komplette Umgebungslicht auszusperren. Da brauchst du dann einen Blitz mit richtig Bumms und ein Graufilter.

Ansonsten funktioniert dieses Vorgehen aber sehr zuverlässig.

Ah, fast vergessen. Bei den Produktfotos habe ich immer einen Durchlichtschirm vor dem Blitz, um das Licht schön weich zu bekommen.

Mit dem Blitz das Umgebungslicht verstärken

Viele sind ja der Meinung, dass man nur bei strahlendem Sonnenschein schöne Fotos machen kann. Ist aber nicht so.

Gerade im Makrobereich habe ich bei klarem Himmel immer wieder das Problem, dass irgendwelche Schatten mir das Bild kaputt machen.

Jeder Grashalm wirft bei direktem Sonnenlicht einen harten Schatten. Das nervt nicht nur, sondern macht auch das Bild nicht besser.

Jetzt sind wir im Makrobereich sowieso schon immer knapp an Licht, weil wir ordentlich abblenden müssen und die Belichtungszeiten auch nicht zu kurz wählen dürfen (es bewegt sich ja meistens doch irgendwas). Dann noch Wolken am Himmel… Du kannst dir denken, dass das problematisch werden kann.

Blitz für die Makrofotografie im Einsatz
Hier dient der Blitz ausnahmsweise mal als Aufheller von der Seite

Da wär’s doch super einfach noch etwas Licht mitbringen zu können, oder? Folgendermaßen mache ich das:

Ich versuche mit dem Blitz das Umgebungslicht nachzumachen. Den Blitz positioniere ich also da, wo auch das Licht herkommt, sprich da wo die Sonne steht (auch wenn’s wolkig ist). Bei Makro habe ich oft die Kamera auf dem Stativ und kann den Blitz in der Hand halten. Alternativ ein Stativ für’s Blitzgerät mitnehmen.

Bei direktem Sonnenlicht war’s das schon. Bei bewölktem Himmel und dadurch weicherem Licht, ist ein kleiner Diffusor zu empfehlen, den man über den Blitz ziehen kann.

Hier nutze ich übrigens nicht den manuellen Modus, sondern die Blendenvorwahl. So kann ich meine Wunschblende einstellen und korrigiere die Verschlusszeit über die Belichtungskorrektur nach unten.

Mein Bild wird ohne Blitz also erstmal zu dunkel. Das gleiche ich über den Blitz wieder aus. Übertreiben darf man es natürlich nicht. Sonst sperren wir das Tageslicht komplett aus und Bereiche, die nicht vom Blitz getroffen werden, bleiben schwarz.

Die Blendenvorwahl hat den Vorteil, wenn sich die Lichtsituation ändert, passt die Automatik in der Kamera sich automatisch an und ich muss nicht jedes Mal nachregeln. Ich muss nur darauf achten, dass die Verschlusszeiten nicht zu lang werden.

Bei diesem Vorgehen stelle ich den Blitz immer erstmal so schwach wie möglich ein und taste mich dann langsam ran. Das Blitzlicht soll nicht überwiegen, sonst sieht das Bild schnell künstlich aus.

Noch Fragen zu Blitzen?

Jetzt weißt du wie ich Blitze für meine Fotos nutze. Natürlich will ich jetzt wissen wo und wie du Blitze einsetzt. Schreib’s mir einfach als Kommentar hier drunter. Und wenn du Fragen dazu hast natürlich auch. Bin gespannt 😉

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3 Gedanken zu “So arbeite ich mit Blitzen”

  1. Moin Philipp, also da muss ich dir widersprechen. Nur weil du TTL nicht nutzt ist es nicht gleich unsinnig 😉 … was ist z.B. bei ner Reportage (Hochzeit ect.) mit ständig wechselnden Lichtverhältnissen? Da wirste manuell nicht nachkommen … es gibt immer ein für und wider 🙂
    Grüßle Steffen

  2. Hi Philipp, danke für den Artikel. Er hat mir durchaus geholfen, die Zusammenhänge zu verstehen, und ich musste gar nicht so langsam lesen😊. Ich merke aber für mich und meine Art zu fotografieren, dass ich den Blitz dann doch nur selten einsetzen werde. Es sind einfach zu wenige Situstionen um ihn immer dabei zu haben. Da versuche ich dann doch lieber mit dem vorhandenen Licht zu spielen, besonders abends. Wenn ich dann vielleicht mal in den Makrobereich einsteige wird sich das allerdings garantiert ändern. Und dafür hat dein Artikel gute und verständliche Hilfe geleistet. Nochmals Danke. Gruß aus Hamburg.
    Claus

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