APS-C oder Vollformat Sensor für Makrofotografie?

Den Traum von der „Vollformatkamera“ haben, glaube ich, fast alle etwas ambitionierteren Hobbyfotografen. Nicht alle geben es zu, aber ich bin sicher, irgendwo ganz versteckt ist der Wunsch da. Mit der 6D habe ich mir diesen Traum auch schon vor einer Weile erfüllt und bin auch wirklich happy mit der Kamera. Aktuell beschäftige ich mich sehr viel mit der Makrofotografie und verzichte hier ganz bewusst auf den Kleinbildsensor und fotografiere mit der „alten“ EOS 7D. Warum das so ist, erfahrt ihr jetzt.

Deshalb mache ich Makrofotos (fast) nur mit APS-C Kamera

Die Kurzfassung würde lauten: Wegen der Schärfentiefe. Jetzt wisst ihr Bescheid. Die Überlegungen dahinter sind folgende: Die größte, technische Herausforderung bei Makrofotos ist der winzig kleine Schärfebereich, der durch den hohen Abbildungsmaßstab entsteht. Denn je größer dieser ist (also je näher wir am Motiv sind), desto kleiner ist der scharfe Bereich im Foto. Daher kommt auch die weit verbreitete Aussage, dass eine längere Brennweite eine geringere Schärfentiefe zur Folge hat. Genau genommen beeinflussen aber nur der Abbildungsmaßstab, die Blende und die Sensorgröße die Schärfentiefe eines Fotos.

Abbildungsmaßstab haben wir ja schon geklärt, da können und wollen wir aber nicht so viel dran drehen, denn unser Ziel bei Makroaufnahmen ist ja, unser Motiv möglichst groß abzubilden. Deshalb nehmen wir uns jetzt einmal den Sensor vor. Dazu habe ich mit einem Schärfentiefenrechner einmal den Schärfebereich berechnet für eine Aufnahme mit einem 100mm Objektiv bei Blende f/8 und 35 cm Abstand zum Motiv mit einer Vollformatkamera: Der Schärfebereich wäre 0,42 cm groß. Für die gleiche Aufnahme mit einer APS-C Kamera müsste ich den Cropfaktor (bei Canon 1,6) ausgleichen und entsprechend etwas zurückgehen, um den gleichen Abbildungsmaßstab zu erreichen. Der Schärfebereich hier wäre 0,78cm groß. Ich will jetzt nicht sagen doppelt so groß, aber fast.

Man könnte jetzt argumentieren, dass ich bei der Vollformatkamera einfach weiter abblenden und den Lichtverlust mit höherer ISO ausgleichen könnte, da der Kleinbildsensor im Vergleich zum APS-C Chip eine bessere ISO-Performance hat. Das ist auch durchaus nicht verkehrt , zumindest bei Sensoren, die in etwa auf dem gleichen technischen Stand sind. Allerdings bin ich bei Makroaufnahmen meist schon bei der maximalen Blende des Objektivs. Würde ich noch weiter abblenden, käme es aufgrund von Beugungsunschärfen zu Qualitätsverlusten in der Abbildungsleistung des Objektivs. Auf die optimale Blende, also den Wert mit der besten Abbildungsleistung verzichte ich sowieso schon, um noch etwas mehr Schärfentiefe herauszuholen, daher ist das keine wirkliche Option.

Es gibt noch einen anderen Grund. Im Grunde hab ich es oben schon verraten. Mit einer Crop-Kamera muss ich nicht so nah ans Motiv. Ich kann mit einem geringeren Abbildungsmaßstab fotografieren.

Das ist jetzt vielleicht verwirrend, denn ich hab an anderer Stelle ja schon erklärt, dass der Abbildungsmaßstab von der Sensorgröße unabhängig ist. Das ist auch richtig. Wenn ich aber einen Schmetterling, der, sagen wir, etwa fünf Zentimeter im Durchmesser hat, bildfüllend fotografieren will. Reicht mir auf einem APS-C Sensor ein kleinerer Maßstab, weil auch der Chip kleiner ist.

Im Grunde könnte ich auch (wenn wir die Schärfentiefe mal außen vor lassen) auch mit Vollformat fotografieren und das Bild hinterher zurechtschneiden. Im Grunde passiert beim Fotografieren mit APS-C ja auch nix Anderes. Nur hat der APS-C Sensor natürlich eine höhere Auflösung als eine gleich große Fläche auf einem Kleinbildsensor (meistens jedenfalls).

Ich kann jedenfalls weiter weg bleiben und das bringt nicht nur mehr Schärfentiefe, sondern ist bei scheuen Motiven sehr hilfreich. Dann muss ich denen nicht ganz so auf die Pelle rücken und sie bleiben eher sitzen.

Deshalb nutze ich für meine Makrofotos eine APS-C und keine Vollformatkamera.

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