Canon EOS 6D Mark II Praxis-Test und Review

Canons EOS 6D Mark II hat meine „alte“ 6D abgelöst. Nachdem ich inzwischen das ein oder andere Foto damit gemacht habe, wird es Zeit ein paar Worte über das gute Stück zu verlieren. Wie gut ist die Bedienung der Kamera? Was taugen Sensor und Autofokus? Was bringt die Kamera an Features mit und lohnt sich der Umstieg von der EOS 6D Mark I auf die Mark II eigentlich?

Haptik & Bedienung der 6D Mark II

In Sachen Maße und Gewicht hat sich nicht wirklich viel verändert. Die 6D Mark II ist wie ihre Vorgängerin nicht klein aber handlicher als die größeren Vollformatmodelle von Canon. Auch die Anordnung der Bedienelemente ist gleich geblieben. Das Konzept scheint sich bewährt zu haben. Ich hatte daran auch nicht wirklich etwas auszusetzen.

An der 6D Mark II ist genau ein Knopf dazugekommen, der mich, zugegeben, etwas nervt. Die Taste befindet sich zwischen Auslöser und Einstellrad. Mit ihr werden die Einstellungen für die Autofokusfelder aktiviert. Damit kann nicht nur die Art der Messfeldwahl (Einzelfeld, Gruppe, Zone usw.) geändert werden, sondern die Taste muss auch gedrückt werden, wenn das aktive AF-Feld verschoben werden soll. Dieser zusätzliche Tastendruck stört mich etwas, denn das war voher nicht nötig. Bisher habe ich leider auch keine Möglichkeit gefunden das zu umgehen.

Immer noch gut finde ich, dass auf der Rückseite am linken Rand keine Knöpfe sind (Menü und Info Taste sind nach wie vor links neben dem Sucher, wie etwa bei der 7D Mark II oder der 5D Mark IV. So ist alles bequem mit dem Daumen der rechten Hand erreichbar.

Einziger Wehrmutstropfen: Dadurch fehlt auch hier der Platz für den Joystick, mit dem sich AF-Felder doch besser auswählen lassen als mit der ins Daumenrand integrierten Wippe.

Canon EOS 6D Mark II Rückseite
Rückseite mit Klappdisplay der 6D Mark II

Während das Gehäuse der 6D Mark I noch teilweise aus einer Aluminiumlegierung bestand, ist die Mark II komplett aus verstärktem Polykarbonat gefertigt. Das Ganze wirkt aber sehr hochwertig und nicht wie billiges Plastik.

Das Moduswahlrad ist, wie bei größeren Modellen üblich, auf der Oberseite links angebracht. Für meinen Geschmack sind hier ein paar Automatiken zu viel drauf. Alles Funktionen, die eher auf Einsteiger ausgerichtet sind. Erscheint mir bei dieser Kamera etwas unnötig. Wirklich stören tut es mich aber nicht, denn alles was ich brauche ist verfügbar. Es gibt außerdem zwei Plätze für speicherbare Voreinstellungen.

Auf der rechten Seite, oberhalb des kleinen Displays befinden sich nach wie vor fünf Tasten. Leider sind die auch hier nicht doppelt belegt, wie ich es noch von der 7D kenne, sodass man hier insgesamt weniger Funktionen ansteuern kann. Eine Taste um die Einstellungen für den Weißabgleich direkt aufzurufen fehlt also auch hier.

Neu dazugekommen ist das Klappdisplay mit Touchscreen. Wobei Canons Bezeichnung „Dreh- und schwenkbares Display“ das Teil tatsächlich besser beschreibt. Denn es kann eben nicht einfach nur geklappt werden, sondern auch in verschiedene Richtung zusätzlich verdreht werden. Wie genau das aussieht, kannst du dir in folgendemVideo anschauen. Hier ist zwar die EOS 200D zu sehen, das Display funktioniert an der 6D Mark II aber identisch.

Die Bedienung über den Touchscreen ist nicht nur intuitiv, sondern auch schneller, sobald man einmal verinnerlicht hat, dass es diese Möglichkeit gibt.

Sensor der EOS 6D Mark II

Die neue 6D kommt mit einem 26,2 Megapixel Sensor daher. Das sind 6 Megapixel mehr geworden. Hier hätte ich mir gewünscht, dass Canon bei den 20 Megapixeln geblieben wäre. Die waren auch schon mehr als ausreichend.

Erst im Nachhinein habe ich gelesen, dass viel über den Dynamikumfang des Chips in der 6D Mark II diskutiert wurde. Laborwerte hin oder her, für mich muss das in der Praxis passen. Der Rest ist mir dann ziemlich egal. Im Bezug auf Dynamikumfang oder Rauschen ist mir bisher nichts Negatives aufgefallen. Wer vorher mit Nikon oder Sony fotografiert hat, wird da bestimmt einen Unterschied feststellen, denn Canon hinkte da schon immer etwas hinterher. Ich als ewiger Canon-Nutzer hab‘ da nichts bemerkt.

Optischer Sucher

Der Sucher der 6D Mark II ist gewohnt hell und groß. Canon hat der DSLR zwar keinen 100%-Sucher spendiert aber das stört mich jetzt auch nicht wirklich. Was ich bei der Vorgängerin noch vermisst hatte, weil ich es von der 7D kannte und mochte, ist jetzt mit eingebaut: Statt einer „normalen“ Mattscheibe ist hier wieder ein lichtdurchlässige LCD-Mattscheibe verbaut, auf der sich zusätzliche Linien und andere Infos einblenden lassen. Na geht doch.

EOS 6D Mark II von oben
Da zwischen Auslöser und Rädchen ist der nervige AF-Feld Knopf

Autofokus (AF) der 6D

Ach ja… Der Autofokus… Langsam habe ich den Eindruck, dass die 6er Reihe bei Canon immer die mit dem besonderen AF sein wird. Während die 6D Mark I noch den womöglich spartanischsten Autofokus überhaupt hatte (11 Sensoren, davon 1 Kreuzsensor), trumpft die 6D Mark II mit ganzen 45 AF-Feldern (allesamt Kreuzsensoren) auf.

Das liest sich auf dem Papier ja schonmal ganz ordentlich. Allerdings, so wird vermutet, hat Canon hier das AF-Modul aus der 80D, einer APS-C Kamera, verbaut. Die ganzen Af-Felder tummeln sich also ziemlich in der Mitte des Suchers. Und drumherum? Gähnende Leere. Das ganze wirkt schon sehr gequetscht.

Für mich persönlich ist das in Ordnung so. Das war der AF der 6D Mark I auch schon. Das liegt vor allem an dem, was ich so fotografiere. Da stelle ich oft auch manuell oder über Live-View scharf, sodass es mir egal ist wo das AF-Feld jetzt ist.

In Sachen Serienbildgeschwindigkeit hat sich einiges getan und die 6D Mark II schafft auf dem Papier 6,5 Bilder pro Sekunde. Für das Thema Autofokus ist das relevant, da ich mit der Kamera nicht nur meine alte 6D ablösen, sondern auch die 7D in Rente schicken wollte, die bisher meine „Actionkamera“ war. Und da braucht es natürlich schon einen flotten Autofokus und ein paar Bilder mehr pro Sekunde als bisher.

Jetzt bin ich kein Sportfotograf oder so, sondern fotografiere einfach hin und wieder mal Hunde beim Spielen und so weiter. Dabei schlägt sich die EOS 6D Mark II sehr ordentlich. Der Autofokus ist schnell und auch der Servo-AF, also das stetige Nachführen des Fokus, funktioniert gut. Hier würde ich mir manchmal schon wünschen, dass die AF-Felder etwas weiter gestreut wären. Die Tatsache, dass ich zum Auswählen eines neuen Feldes immer eine Taste drücken muss, nervt mich aber deutlich mehr.

Vorderseite der EOS 6D Mark II mit ausgeklapptem Display
Der Anschluss für den Kabelauslöser ist jetzt vorne. So stört das Kabel nicht beim Verschwenken des Displays

W-LAN

Die W-LAN Funktion war auch schon Thema im Testbericht zur Mark I. Grund genug das auch hier aufzugreifen. Damals war die Sachen mit der drahtlosen Verbindung und einer App noch ganz neu. Es funktionierte auch da schon, war aber etwas umständlicher.

Inzwischen gibt’s eine neue App von Canon und auch das Feature wurde weiterentwickelt. So blockiert der Videomodus jetzt nicht mehr (warum auch immer das so war) die W-LAN Funktionen (und umgekehrt). Auch das Herstellen der Verbindung zwischen Telefon und Kamera ist einfacher geworden. Auch wenn es manchmal etwas unlogisch erscheint, irgendwann klappt’s dann doch.

Die Übertragung des Live-View auf das Smartphone oder Tablet ist dabei die Funktion, die ich am häufigsten nutze. Gerade wenn du alleine ein Bild aufbaust, Lampen verteilst oder sonst etwas stückchenweise im Bild verändern willst ist diese Funktion Gold wert. Denn du kannst einfach im Bild stehen bleiben und Veränderungen vornehmen, die du minimal verzögert aus Kamerasicht sehen kannst. Wie ich das in der Praxis nutze, kannst du im Video des Artikels „Blitzlicht und Umgebungslicht kombinieren“ ganz gut sehen. Mit der Reichweite des W-LANs hatte ich bisher keine Probleme.

Außerdem ersetze ich mit der App meinen Fernauslöser wenn ich für Langzeitbelichtungen den Bulb-Modus der Kamera nutzen muss, weil ich länger als 30 Sekunden belichten möchte. Einmal den virtuellen Auslöser auf dem Smartphone drücken startet die Belichtung, ein zweites Mal stoppt das Ganze wieder. Sehr praktisch.

6D Mark II in der Seitenansicht
Für Filmer sicher nicht unwichtig: Anschluss für ein externes Mikro und HDMI

Video

Ja, inzwischen nutze ich meine Kameras tatsächlich auch zum Filmen. Obwohl ich „nur“ Making ofs und Tutorials für meine Seite hier aufnehme, gilt die Ausrede, dass ich mit der Kamera ja bloß Fotos mache, nicht mehr.

Meine Ansprüche sind natürlich nicht so hoch wie bei Profis oder ambitionierten Hobbyfilmern. Das Filmen ist bei mir eher Mittel zum Zweck. So lange man alles sehen und mich verstehen kann, ist alles wunderbar. Daher stört es mich kein bisschen, dass die 6D Mark II kein 4K Video hat. Auch die 60 Bilder pro Sekunde in Full-HD brauche ich nicht. Genauso wenig irgendwelche tollen Videoformate wo man ganz viel Nacharbeiten kann/muss.

Für mich viel wichtiger ist ein Feature, das ich beim Testen meiner EOS 200D kennen gelernt habe: Der Dual Pixel Autofokus, der es mir auch als One-Man-Show ermöglicht vor der Kamera zu stehen und trotzdem im Fokus zu bleiben. Das Klappdisplay ist da natürlich auch sehr hilfreich. Was das genau ist und wie das funktioniert, kannst du im Test zur 200D nachlesen.

Lohnt sich der Wechsel von der EOS 6D zur 6D Mark II?

Es kommt, mal wieder, darauf an. Für mich waren die Features für Video und Klappdisplay wichtig. Dazu die bessere Bedienbarkeit über die App (auch für Video). Und natürlich konnte ich dafür zwei meiner bisherigen Kameras verkaufen.

Die 6 Megapixel mehr braucht meiner Meinung nach kein Mensch. Über den verbesserten Autofokus haben wir ja schon gesprochen. Da musst du schauen ob das für dich und deine Art zu fotografieren passt.

Als Einstieg ins Vollformat ist die 6D Mark II, genau wie das Vorgängermodell, bestens geeignet. Ich denke für viele wird sie sogar mehr als ausreichen. Für mich ja auch. Und günstiger kommst du bei Canon nicht an Vollformat. Die Preise ändern sich eh ständig, daher schreib ich hier gar keinen rein. Aktuelle Preise findest du zum Beispiel bei Amazon.

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