Gegenlichtaufnahmen – die richtigen Einstellungen für gelungene Fotos

„Beim Fotografieren die Sonne im Rücken halten.“

Das war meine erste Lektion in Sachen Fotografie.

Wirklich falsch ist diese Regel im Grunde auch nicht, denn hast du die Sonne im Rücken, gehst du sehr vielen Problemen aus dem Weg.

Einziger Nachteil: Die Bilder könnten etwas langweilig werden. Gegenlichtaufnahmen sind oft stimmungsvoller.

Wie es der Begriff „Gegenlicht“ schon sagt, fotografierst du gegen das Licht. Das heißt du hast die Lichtquelle, die für die Beleuchtung deines Motivs sorgt, mit im Bild. Ich werde bei meinen Beispielen hier Natur und Landschaftsfotos zeigen und daher meist die Sonne als Lichtquelle haben. Natürlich funktioniert das Ganze mit Blitz- oder Dauerlichtern vom Prinzip her genauso.

Leider kommen dann auch die ganzen Probleme, denen du bisher ja aus dem Weg gegangen bist, auf dich zu. Welche das sind und wie du die in den Griff bekommst, erfährst du jetzt.

Die passende Belichtungszeit finden

Hast du beispielsweise die Sonne im Bild, dann ist sie mit (deutlichem) Abstand das hellste Objekt im Bild. Immerhin reden wir hier von der Sonne. Bei Blitzen und so verhält es sich aber ähnlich, denn die sind auch sehr hell im Vergleich zum Rest.

Das Problem: Da die Sonne so dominant ist verwirrt sie die Belichtungsmessung der Kamera. Die versucht dann den Himmel mit der Sonne irgendwie noch so einigermaßen vernünftig zu belichten, wodurch der Rest des Bildes hoffnungslos in den Schatten absäuft und nur noch als schwarze Silhouette zu sehen ist.

Diesen Effekt kannst du natürlich bewusst als Stilmittel nutzen.

Gegenlichtaufnahme am Meer
Der alte Weltkriegsbunker ist nur als Silhouette zu erkennen während der Himmel gut durchzeichnet ist.

Wenn du darauf aber keine Lust hast, solltest du folgendermaßen vorgehen:

Stell die Belichtungsmessung deiner Kamera auf „Spotmessung“ um. Jetzt berücksichtigt die Kamera beim Messen nur noch einen sehr kleinen Ausschnitt des Bildes. Meistens ist das ein kleiner Kreis in der Mitte des Suchers. Bei manchen Modellen lässt sich dieser Punkt auf mit dem aktiven Autofokusfeld verschieben. Ein Blick ins Handbuch schafft hier Klarheit.

Wie die einzelnen Messmethoden genau arbeiten habe ich im Artikel zu Kameraeinstellungen für Makrofotografie ausführlich beschrieben.

Diesen „Spot“ richtest du jetzt auf einen Teil der Landschaft (nicht auf den Himmel, denn der ist auch sehr hell), den du gerne korrekt belichtet hättest.

Jetzt hast du die Wahl:

Du kannst die ermittelten Werte speichern (dafür gibt’s eine Taste, meist ist die mit einem * markiert) und dann die Kamera wieder so verschwenken, dass der Bildausschnitt passt oder du merkst dir die Werte und übernimmst Sie in den manuellen Modus (oder arbeitest von Anfang in „M“).

Wahrscheinlich ist jetzt trotzdem ein wenig Feinschliff angesagt, denn du wirst einen Kompromiss finden müssen zwischen hellem Himmel und dunkler Landschaft.

Belichtungsdilemma im Gegenlicht mit Bildbearbeitung lösen

Die Sensoren aktueller Kameramodelle sind inzwischen so gut, dass sie, vorausgesetzt du fotografierst im Raw-Format, noch ordentlich Reserven haben um den Tiefen und Lichtern eines Fotos in der Nachbearbeitung noch eine ganze Menge Details zu entlocken. Probier’s einfach mal aus, dann lernst du sehr schnell wo die Grenzen deiner Kamera sind.

Eine mächtigere, aber auch aufwändigere Alternative ist ein High Dynamic Range (kurz HDR) Foto zu machen. Dazu fotografierst du eine Belichtungsreihe, machst also mehrere Aufnahmen vom gleichen Motiv in unterschiedlichen Helligkeiten. Bewährt hat sich hier ein Abstand von zwei Blenden.

Gerade wenn du gegen die Sonne fotografierst, wirst du feststellen, dass je dunkler das Bild wird auch der Schein um die eigentliche Sonnenscheibe immer kleiner wird. Du brauchst also nur so weit abdunkeln bis dieser „Schein“ für dich passt.

Danach werden die Einzelaufnahmen zu einem Bild zusammengerechnet. Damit das funktioniert muss der Bildausschnitt auf jedem Foto möglichst gleich sein. Idealerweise fotografierst du also vom Stativ. Bei Landschaftsfotos, die du mit einem Weitwinkel machst, funktioniert aber auch die Bracketing-Funktion in Kombination mit dem Serienbildmodus in vielen Fällen sehr gut, auch wenn du aus der Hand fotografierst.

Beim Bracketing macht die Kamera automatisch mehrere Aufnahmen in unterschiedlichen Helligkeiten.

Zum Erstellen und Bearbeiten von HDRs mit Lightroom habe ich vor einer Weile auch mal ein Video aufgenommen.

Blendenflecke, Lensflares und sonstige Störenfriede bei Gegenlichtaufnahmen

Als wäre die Sache mit der Belichtung nicht schon kompliziert, war das bei Weitem nicht das einzige Problem. Besonders nervig sind auch die ganzen Lichtflecken, die im Gegenlicht entstehen. Diese Bildfehler haben zwei Hauptursachen:

Entweder es ist ein optischer Fehler, der durch die Linsen im Objektiv entsteht (und so gut wie kein Objektiv ist perfekt und generiert keine Blendenflecke) oder es ist schlicht und einfach Dreck auf der Frontlinse.

HDR mit Lightroom erstellt
Rechts unten im Bild haben wir einen objektivbedingten Bildfehler (grün und rot). Unterhalb der Sonne sieht man einige helle Kreise. Das ist Dreck auf der Frontlinse.

Warum ist Staub und Schmutz bei Gegenlichtaufnahmen so problematisch?

Staub vorne auf dem Objektiv stört in der Regel kaum. Der Grund ist, dass diese Partikel so weit außerhalb des Fokusbereichs liegen und dadurch so unscharf werden, dass sie nicht mehr zu sehen sind. Trifft jetzt aber direktes Licht auf diese Staubpartikel wird es in alle möglichen Richtung gestreut und es entsteht ein heller Fleck im Bild, der deutlich sichtbar ist.

Zum Glück gibt’s eine ganz einfache Lösung dafür:

Putzen.

Ein Objektivpinsel kann hier Wunder wirken und reicht in den meisten Fällen auch aus und gehört deshalb auch zu den Dingen, die ich immer dabei habe.

Blendenflecke vermeiden

Im Gegensatz zu Staubkörnern lässt sich die Ursache für Blendenflecke leider nicht einfach wegputzen. Hier haben wir es schlicht mit einer optischen Geschichte zu tun, die sich schwer komplett vermeiden lässt. Hochwertigere (und leider auch teurere) Objektive reduzieren diese Bildfehler schon ganz ordentlich. In Erinnerung geblieben ist mir hier mein Sigma 35mm f/1,4 Art. Das war wirklich so gut, dass so gut wie gar keine Lensflares auftraten.

Trotz mehrerer Lichtquellen direkt im Bild entstehen hier so gut wie keine Lensflares dank der guten Qualität des Objektivs

Trotzdem gibt es noch zwei Tricks um die lästigen Bildstörungen zu reduzieren.

Da die Flecken entstehen wenn die Sonne (oder eine andere Lichtquelle) direkt im Bild zu sehen ist, kannst du sie durch einen geschickten Bildaufbau hinter einem anderen Objekt platzieren. Zum Beispiel die Perspektive so wählen, dass die Sonnenscheibe hinter einem Baum verschwindet. Die Gegenlichtsituation bleibt bestehen, Blendenflecke werden aber deutlich reduziert.

Übrigens muss bei Gegenlichtaufnahmen die Sonne nicht automatisch im Bild sein. Es kann auch reichen sie irgendwo knapp außerhalb des Bildrandes zu platzieren. Spätestens dann solltest du aber die Gegenlichtblende auf das Objektiv packen, aber die hast du ja sicher sowieso immer drauf 😉

Als Universallösung taugt das dummerweise nicht. Wer hat schon immer einen Baum dabei? Und manchmal will man ja auch die Sonne so richtig schön im Bild haben, oder?

Daher Trick 2 für alle, die vor etwas Nachbearbeitung nicht zurückschrecken:

Anstatt einer machst du zwei Aufnahmen. Einmal normal und einmal hälst du deine Hand so ins Bild, dass du damit die Sonne verdeckst. Hier ist ein Stativ oder eine stabile Kameraposition hilfreich, denn im Nachgang musst du die beiden Bilder in Photoshop (oder einem anderen Bildbearbeitungsprogramm) übereinander legen. Am besten nutzt du hier den manuellen Modus, damit die Bilder gleich hell werden und du nicht zwischen den Aufnahmen viel an der Kamera rumfummeln musst.

Mit Hilfe einer Ebenenmaske kannst du die Aufnahmen jetzt kombinieren und entweder aus dem einen Foto die Blendenflecke wegpinseln oder deine Hand aus dem anderen. Wie es dir lieber ist.

Übrigens: Auch wenn die Sonne nicht direkt im Bild ist, kann es die Bildqualität verbessern, wenn du mit deiner Hand die Gegenlichtblende sozusagen etwas verlängerst. Hängt halt immer von der Position der Sonne ab. Hier hilft nur ausprobieren.

Dieses Bild besteht eigentlich aus zwei Fotos. Bei einem habe ich die Sonne mit meiner Hand abgedeckt um eine Aufnahme der Landschaft ohne Lensflares zu bekommen. In Photoshop habe ich die beiden Bilder dann zusammengebaut.

Die beste Zeit für Gegenlichtaufnahmen

Wenn die Sonne um die Mittagszeit hoch am Himmel steht, klappt das mit den Gegenlichtaufnahmen nicht so wirklich gut. Klar kann man auch hier gegen die Sonne fotografieren, den typischen Look, wie man sich Gegenlichtfotos so vorstellt, erreichst du aber erst wenn die Sonne tief steht. Idealerweise natürlich zu goldenen Stunde am Morgen oder am Abend.

Diesen Zeitraum nennt man übrigens auch „goldene Stunde“. Die beginnt ganz grob eine halbe Stunde vor Sonnenauf- beziehungsweise untergang und endet etwa dreißig Minuten danach.

Wer einen Blitz nutzt muss natürlich nicht die passende Tageszeit abwarten, kann aber hieraus schon ablesen wie der Blitz platziert werden sollte.

Wie sieht’s bei dir aus, welche Erfahrungen hast du mit Gegenlichtaufnahmen gemacht? Vielleicht hast du ja auch noch den ein oder anderen Tipp, den ich hier ergänze kann? Ich bin gespannt.

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